Fass, Flasche oder Dose?

Frisch gezapft, leger aus der Flasche oder doch aus der Dose? Wie trinkt ihr euer Bier am liebsten? Und ist das Gebinde eigentlich relevant für die Qualität des Bieres? Ich habe die Vor- und Nachteile der drei gängigen Bier-Abfüllungen für euch zusammengefasst.

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Frisch gezapft oder doch lieber aus der Flasche? Welche Gebinde bieten welche Vorteile?

Fassbier

Fassbier ist der Klassiker, quasi der Porsche unter den gefüllten Biergläsern. Es gilt als „frisch gezapft“ und daher irgendwie edler. Aber ist es auch wirklich besser? Hier gilt es die Bierqualität von technischen Faktoren zu trennen.

In der Qualität besteht kein Vorteil im Vergleich von Fass, Flasche und Dose, der für das Fass spricht. Eher andersherum wird ein Schuh draus: Ist das Fass einmal angeschlagen, bilden sich schnell Verunreinigungen. Das ist zwar grundsätzlich vermeidbar und Fassbier wird nicht zwingend schlecht, weil es einige Zeit am Hahn hängt, dafür bedarf es jedoch einer täglich gereinigten Schankanlage. Und darauf sollte man in einigen Lokalen lieber nicht wetten.

Natürlich bietet Fassbier den Vorteil der Karbonisierung durch das Zapfen – es bizzelt einfach mehr und gilt auch deshalb als frisch. Die eigentlichen Vorteile des Fasses liegen jedoch in der Abfüllung. Für den Brauer sind Fässer einfach zu befüllen und verlangen weniger Arbeitsschritte als Flasche oder Dose (Etikettierung, Verschluss). Ganz zu schweigen von der Ökobilanz, die ist beim Fass unschlagbar: Weniger zu reinigende Oberfläche pro Liter als in der Flasche und anders als bei der Dose gibt es ein Pfandsystem. Daher wäre es eigentlich logisch, dass Fassbier das preislich günstigstere Bier ist, denn es enthält weniger Produktionsschritte.

Doch leider gelten in der Gastronomie ganz eigene Spielregeln. Fassbier ist die Kuh, die von den Großbrauereien gemolken wird. Obwohl kleine, lokale Brauer lieber auf Fässer statt Flaschen setzen würden, gelangen sie durch die Brauereibindung etlicher Lokale viel zu selten an den Hahn.

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Ist „frisch gezapft“ wirklich besser?

Flaschenbier

Flaschenbier ist gemütlich, leger und ungezwungen. Die Flasche in der einen Hand, die Grillzange in der anderen, so geht Sommer! Auch die Beliebtheit der Flasche liegt vor allem an dem Gefühl, das mit ihr einhergeht.

Flaschen sind tatsächlich eine Art der Abfüllung, die viele Vorteile bietet: Flaschen sind portionierbar, man öffnet einmal 0,33 Liter und der übrige Kasten bleibt versiegelt. Außerdem ist die Flasche leicht zu transportieren, durch das Pfandsystem ökologisch völlig ok und auch noch schick, wenn man sie auf dem Tisch kredenzen möchte.

Der Nachteil der Flasche liegt vor allem bei den Brauern: Flaschenabfüllung ist kompliziert: Reinigung, maschinelle Abfüllung, Etikettierung und auch die Pfandkette sind ein Mehraufwand. Daher ist es eigentlich verwunderlich, dass Flaschenbier in Deutschland fast immer günstiger ist als Fassbier.

Der zweite Malus der Flasche betrifft das Bier selbst: Bier verträgt kein UV-Licht. Und Flaschen sind nun einmal – auch die dunklen – lichtdurchlässig. Trifft UV-Licht auf das Bier, entsteht Methyl-Buten-Thiol. Das ist zwar gesundheitlich kein Problem, aber es schmeckt ranzig. Zugegeben, dieser Prozess zieht sich bei dunklen Falschen lange und hopfige Biere sind stärker betroffen als gering gehopfte. Bei weißem Glas sollte die Devise jedoch lauten: Finger weg!

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Gemütlich aus der Flasche? Flaschenbier gilt als ungezwungen, aber welche Vorteile bietet diese Abfüllung?

Dosenbier

Fassbier ist frisch, Flaschenbier gemütlich – und Dosenbier? Kaum ein Gebinde steht in Deutschland in so einem schlechten Ruf wie die Dose: Billig, assig, Säufergetränk. Zu Unrecht!

Der schlechte Ruf der Dose in Deutschland hat vermutlich zwei Gründe: Da wäre zuerst der Kampfpreis der Brauindustrie, der bei dieser Verpackung ganz besonders niedrig liegt. Dosenbier steht auch deshalb im Verruf, billiges Saufbier zu sein. Zweitens hat die Dosen-Diskussion der 90er inklusive Dosenpfand dazu beigetragen, diese Art der Abfüllung negativ abzustempeln.

Dabei liegt die Stärke der Dose gerade in der Qualität: Dosen halten Aromen lange fest, vor allem leicht flüchtige Hopfenaromen. Denn die Dose ist zu 100 Prozent lichtundurchlässig und Licht ist der Feind des Bieres.

Aber zugegeben, die Ökobilanz von Dosen ist verglichen mit Fass oder Flasche schlecht. Für kleine und mittlere Brauereien bietet die Dose außerdem große Herausforderungen in der Abfüllung, denn hierfür ist wieder eine andere Anlage als für die Flaschenabfüllung notwendig.

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Besser als sein Ruf: Bier aus der Dose

Fazit

Natürlich hat jede Bierabfüllung ihre Berechtigung und jede bietet eigene Stärken. Die Dose steht jedoch zu Unrecht in einem derart schlechten Ruf. Fassbier wäre theoretisch für viele Brauer die Abfüllung der Wahl, die Brauereibindung in der Gastronomie erschweren jedoch den Fass-Vertrieb der kleinen Brauer. Außerdem ist wie so vieles beim Thema Bier auch die Abfüllung stark emotional besetzt – leider dominiert das Gefühl viel zu oft die faktischen Vor- und Nachteile.

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