Köln ist mehr als Kölsch: RheinCraft

Ihr wisst, dass mein Blog We love Pubs auch eine Plattform für alle Craft Beer-Brauer im Rheinland ist. Bei meinen Recherchen bin ich bereits letztes Jahr auf RheinCraft gestoßen. RheinCraft, das ist ein Quintett, das zeigt, dass auch in Köln ein Bier mehr als Kölsch sein kann. Und es ist ein Team mit einer schönen Geschichte, wie die Fünf zum Bierbrauen kamen. Ich habe mich mit Micha und Viola auf eine „Frohnatur“ im Bierlager in Köln getroffen und mit ihnen über neue Bierstile und Brau-Startups gesprochen!

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We love Pubs: Danke, dass ihr Zeit habt! Euer Vorschlag für unser Treffen war das Bierlager – warum gerade hier?

Micha: Wir kommen hier gerne nach Feierabend auf ein Bier hin und außerdem hat Kai (der Betreiber des Bierlagers) uns schon oft geholfen, gerade in der Starphase…

Viola (lacht): Und natürlich weil es unsere Biere hier gibt, die „Frohnatur“ und das „Rut“!

We love Pubs: Mögt ihr vielleicht zu Anfang kurz euch, euer Team und die Geschichte hinter eurem Bier vorstellen?

Viola: Also, uns, RheinCraft, gibt es seit 2015. Neben uns beiden gehören noch Andreas, Holger und Joachim zum Team. Wir fünf kennen uns alle über das Forschungszentrum Jülich, wo wir als Doktoranden beschäftigt sind oder waren. Und von der Biotechnologie zum Bier ist der Weg gar nicht so weit. Beides hat mir Mikroorganismen zu tun – und nichts anderes sind ja auch Hefen.

Micha: Man könnte fast sagen, dass Bierbrauen unserer erster Prozess überhaupt im Studium war! Nein, ernsthaft, ich habe schon 2011 als Hobby zu brauen begonnen und hab mich super gefreut, als ich in Jülich mit den anderen vieren auf Gleichgesinnte gestoßen bin. Wir haben dann erst einmal ganz klassisch mit 25 Litern im Keller angefangen zu brauen. Das hat gut geklappt, also wollten wir mehr und haben uns selbst eine 100-Liter-Anlage zusammengebaut. Und Viola hat recht: Kenntnisse in Bioverfahrenstechnik helfen! 2012 haben wir dann an einem ersten Brauwettbewerb teilgenommen, der „Campusperle“ in Hamburg, und 2014 konnten wir sogar gewinnen! Dabei lernten wir das Craft Beer-Urgestein Olli Wesseloh kennen, der uns ganz stark motiviert hat, mehr als nur ein Hobby aus dem Brauen zu machen. Das ist ja irgendwie wie im Fußball: Wenn es läuft, will man ja auch mal eine Liga aufsteigen.

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We love Pubs: Noch habt ihr keine eigene Brauerei. Wo braut ihr und wie schwer war der Start?

Viola: Zurzeit brauen wir – wie viele andere ja auch – bei Vormann in Hagen. Das ist super, von den Voraussetzungen bis zum Ideenaustausch. Aber begonnen haben wir in Linnich-Welz bei der Privatbrauerei Rainer. Herr Rainer wollte damals gerade altersbedingt schließen, als wir bei ihm anklopften. Für den Start war das perfekt: Unsere Craft Beer-Ideen und dazu ein klassischer, gestandener Brauer. Da haben wir viel gelernt. Und viel selbst gemacht: Hopfensäcke genäht, Flaschen abgefüllt… Da merkt man schnell, dass ein 4000-Liter-Sud eine echte Hausnummer ist. Dabei sind einige freie Tage, Feierabende und Wochenenden drauf gegangen.

Micha: Ja, das ist eigentlich verrückt, da will man eigentlich brauen, aber die meiste Zeit füllt man Flaschen ab oder etikettiert… Das ist bei Vormann jetzt alles leichter, weil es dort einen Flaschenabfüller gibt. Das war aber nur ein Grund für den Wechsel. Denn bei Rainer in Linnich war die Anlage eigentlich nicht für Craft Beer optimiert.

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Das vollständige RheinCraft-Team: Holger, Joachim, Viola, Andreas & Michael (v.l.n.r., Foto RheinCraft)

We love Pubs: Wenn ich euch richtig verstehe, dann ist es euch durchaus wichtig, dass eure Anfänge in einer klassischen Brauerei lagen. Ist dass der Grund, weshalb ihr auf eurer Homepage extra erwähnt, dass ihr ausschließlich nach dem Reinheitsgebot braut? Das ist ja in der Craft Beer-Szene eher untypisch.

Micha: Ja, teilweise. Anfangs war das durchaus der Wunsch von Herrn Rainer. Aber jetzt könnten wir das ja anders machen.

Viola: Jetzt geht es uns eher darum, zu zeigen, was man aus den vier Zutaten alles rausholen kann. Mittlerweile könnten wir uns sicher auch was anderes vorstellen, aber da ist ja auch immer die Frage: Was machst du mit 4000 Liter Bier? Die können ja nicht nur im Freundeskreis vertrunken werden, die will man ja auch verkaufen! Und da ist das Reinheitsgebot einfach ein Begriff, den der Käufer kennt und der uns somit den Einstieg in den Markt erleichtert.

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We love Pubs: Stichwort verkaufen: Wo gibt es euer Bier denn zurzeit und wie schwer war der Einstieg in Handel und Gastronomie?

Micha: Zurzeit gibt es zwei Biere von uns. Einmal die „Frohnatur“ – das ist übrigens eine Weiterentwicklung unseres Siegerbiers der „Campusperle“ 2014. Und jetzt noch recht neu unser „Rut“, ein rötliches IPA. Im Handel gibt es uns in Craft Beer-Läden wie hier im Bierlager oder bei Schneider´s Craft Beer in Longerich. Also, bisher sind wir auf Köln fokussiert. Ein wenig sicherlich deshalb, weil RheinCraft ja hier geboren wurde, auch wenn wir alle zugezogene Kölner sind. Aber jetzt wollen wir nach und nach auch in die umliegenden Städte – (lacht) Bonn wäre da z.B. was! In Aachen sind wir sogar schön präsent, nämlich im „Hopfen und Malz“.

Viola: Wir haben insgesamt gemerkt, dass es in Köln genug Interesse an Craft Beer gibt. Klar, einige wollen nicht weg vom klassischen Kölsch. Aber die Szene ist groß genug und wächst. Positiv überrascht waren wir, dass das auch in der Gastro so gesehen wird. So gibt es uns z.B. in der Legend´s Bar im Hyatt. Die machen übrigens auch ganz coole Bier-Cocktails mit unserer „Frohnatur“. Dem Hyatt zum Beispiel war daran gelegen, dass sie ein Bier aus Köln haben, aber etwas anderes, ungewöhnliches.

Micha: Und wo es uns sonst noch gibt – ein bisschen haben wir sogar den Überblick verloren. Kai vom Bierlager vertreibt unsere Biere und manchmal kommt man irgendwo in eine Bar und denkt: Ach, hier gibt´s ja unser Bier! (lacht)

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We love Pubs: Auf den Craft Beer-Events in der Umgebung  – z.B. hier in Ehrenfeld oder in Düsseldorf – habe ich euch bisher vermisst. Setzt ihr euch bewusst von der Szene ab?

Micha: Nein, auf keinen Fall! Der Kontakt zu anderen Brauern ist uns super wichtig! Wir waren auch auf den beiden Festivals, die Du nennst, da. Nur ohne eigenen Stand. Das können wir zurzeit einfach noch nicht stemmen. Obwohl wir ja schon zu fünft sind, läuft das ja alles nebenbei, neben Promotion und Arbeit. Außerdem hätten wir dafür gerne mehr Bierstile im Sortiment als unsere bisherigen zwei.

We love Pubs: Welches neue Bier folgt denn als nächstes und wenn ihr in die Zukunft schaut – wo seht ihr euch in zwei Jahren?

Viola: Das dritte Bier von RheinCraft, das jetzt bald kommt, ist das Gegenstück zum „Rut“, das Du gerade trinkst. Das „Wiess“ wird aber entgegen des Namens ein IPA, aber ein sehr helles. Damit ist es dann ein echtes Paar – Rut & Wiess!

Micha: Und in zwei Jahren… Da wollen wir auf jeden Fall noch mehr Biere im Sortiment haben, vier oder fünf verschiedene Stile sind unser Zwischenziel. Ansonsten soll weiterhin der Spaß im Vordergrund stehen. Dass wir das irgendwann hauptberuflich machen, das wäre zwar schön, ist aber nicht unser Hauptziel und es ist auch nicht ganz realistisch, immerhin sind wir ja fünf im Team, die dann vom Brauen leben müssten.

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We love Pubs: Eine Abschlussfrage noch. Wie sieht für euch das perfekte Bier aus?

Micha: Puh, das gibt´s nicht. Wichtig ist immer: Es muss schmecken!

Viola: Das perfekte Bier muss zur perfekten Gelegenheit passen. Also: Es gibt nicht das perfekte Bier, sondern für jede Situation ein anderes.

We love Pubs: … ich muss sagen, eure „Frohnatur“ ist auf jeden Fall für diesen Augenblick hier im Bierlager perfekt! Danke für das Interview und alles Gute für RheinCraft.


Mein Fazit und alle Links zum Weiterlesen: RheinCraft war biertechnisch für mich Neuland – beide Biere der Gruppe kannte ich noch nicht, war aber wirklich begeistert! Vor allem das „Frohnatur“ finde ich spitze: Frisch, fruchtig, spritzig! Dazu ein super nettes Brau-Team – das passt! Vielleicht gibt es die RheinCraft-Biere ja auch bald in Bonn (es kann ja nicht sein, das Aachen uns da übertrumpft!). Ich würde mich freuen!

Wenn ihr weiterlesen wollt, dann schaut auf die Homepage von RheinCraft oder folgt der Gruppe auf Facebook. Meinen Artikel zum Bierlager, in dem wir uns getroffen haben, findet ihr hier. Wenn ihr euch für Craft Beer interessiert, dann gibt es unter diesem Link eine Übersicht über alle meine Beiträge zum Thema.


Das vorliegende Interview habe ich handschriftlich mitgeschrieben und später aus stilistischen Gründen stellenweise angepasst, der vorliegende Text wurde von Rheincraft autorisiert.

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