Zartbitter/ Südstadt/ Argelanderstraße

Das Zartbitter – oder liebevoll Zabi – ist ein absoluter Klassiker in der Bonner Südstadt, den ich euch sehr ans Herz legen möchte: Südstadtflair, auf der Terrasse ein herrlicher Blick auf wunderschöne Gründerzeitvillen, ein spannendes Biersortiment und vor allem ganz viel Bonner Kneipengeschichte, dafür steht das Zabi. Hier lest ihr, warum Bonns älteste Kneipe immer noch angesagt ist – aber auch, was sich in der Südstadt gerade ändert.

Südstadt pur in Bonns (wahrscheinlich) ältester Kneipe!
Südstadt pur in Bonns (wahrscheinlich) ältester Kneipe!

Zuerst einmal: Das mit der „ältesten Kneipe“ ist sicherlich ein Titel, um den mehrere Bonner Lokale wetteifern. Fest steht aber: Helge Klassen betreibt das Zartbitter seit 1968 durchgehen, immer an der Ecke Königstraße/ Argelanderstraße. Länger besteht m.W. tatsächlich kein Lokal ohne Unterbrechung.

Als ich selbst noch Student war und in der wunderbaren Südstadt lebte, konntet ihr mich oft im Zartbitter treffen. Heute, als Beueler, komme ich immer gerne zurück.  Aber das Zabi steht nicht nur für Kontinuität, man sieht hier auch den Wandel in der Bonner Südstadt. Aber damit bin ich schon mitten im Thema und sollte vielleicht erst einmal mit den harten Fakten beginnen:

Weizenbier und Gründerzeitvillen - das passt!
Weizenbier und Gründerzeitvillen – das passt!

 

Die Bierauswahl ist groß - nicht nur an belgischen Bieren, z.B. hier ein Cramer Kellerbier aus der Eifel
Die Bierauswahl ist groß – nicht nur an belgischen Bieren, z.B. hier ein Cramer Kellerbier aus der Eifel

Ihr findet das Zabi also direkt in bester Südstadtlage, erreicht es gut mit der Linie 62 (Haltestelle Weberstraße oder Königstraße, dann ca. 3 Minuten zu Fuß). 1968, im Gründungsjahr, war die Bonner Südstadt bei weitem noch keine „bessere“ Wohngegend, Häuser und Flächen waren weit weniger hochpreisig und wie so viele Lokale dieser Zeit konnte sich auch das Zabi als Studentenlokal ein prachtvolles Gründerzeithaus leisten. Dort wohnt das Zartbitter noch immer, nennt sich selbst „Kneipe, Bier- und Weinlokal“ und bietet die typische Südstadtmischung aus kleinen Bistro-Gerichten (Baguette, Suppen, marinierter Schafskäse etc.), verschiedenen Weinen, diversen klassischen Alkoholika, einigen Säften und Schorlen und vielen spannenden Bieren. Hier soll jeder etwas finden, nicht nur der „echte Kneipgänger“. Wobei ich die Bierauswahl besonders hervorheben möchte, vor allem die schöne Auswahl belgischer Biere (s.u.), aber auch kleine lokale Besonderheiten (z.B. Cramer Kellerbier aus der Eifel).

Oder darf es lieber ein Westmalle sein?
Oder darf es lieber ein Westmalle sein?

 

Der Blick ins Innere
Der Blick ins Innere

Außen auf der kleinen Terrasse habt ihr also einen schönen Blick – ich selber finde das Zartbitter vor allem im Sommer umwerfend! Innen findet ihr eine klassische Kneipe ohne viel Tschi-Tschi. Dennoch sieht man, was so ein Südstadthaus alles bietet (Stuckdecken!), obgleich innen etwas der Bistro-Charme überwiegt und leider die herrliche Größe des Raumes und die Höhe der verzierten Decke nicht ganz zur Geltung kommen. Ansonsten steht das Bodenständige im Vordergrund: Kleine Vierertische, Blumen als Raumtrenner, Zeitungen und Spiele liegen aus.

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Typisch Südstadt: Stuckdecken
Typisch Südstadt: Stuckdecken – leider versteckt sie sich hier etwas hinter der Thekenbeleuchtung.

Ihr seht also: Ich mag das Zartbitter! Der Service lebt mit Kneipe, gibt gerne Auskunft. Im guten alten Kneipenstil erhält man an vielen Tagen Salzstangen am Tisch. Als Studentenkneipe würde ich das Lokal jedoch heute nicht mehr sehen: So wie die Südstadt insgesamt ist auch das Publikum im Zartbitter etwas gealtert, jetzt trifft man sich hier eher ab Ende Zwanzig und bis open end.

Stichwort open end: Dies gilt leider nicht für die Terrasse. Und genau daran möchte ich erklären, warum man am Zartbitter auch den Wandel der Bonner Südstadt erkennt. Wo bis in die Jahrtausendwende vor allem Studenten wohnten, findet man heute viele gut gebildete junge Familien und die mittlere Generation. Das verändert auch das Nachtleben eines Stadtteils. Ergo: Die Südstadt ist kein Ausgehviertel mehr. So berichtete mir der Wirt, wie hart sein Lokal (und andere in der Südstadt) heute mit dem Ordnungsamt kämpfen. Nette Gespräche auf der Terrasse nach 22.00? Leider nein!

Ihr kennt mich, ihr wisst: Für mich muss die Stadt lebendig sein! Wer in ein Viertel mit vielen Kneipen, Lokalen, Gaststätten und mehr zieht, weil die Häuser so prachtvoll sind, der sollte sich nicht beschweren, wenn dort auch Leben und manchmal etwas mehr Lautstärke herrschen („laut“ war die Südstadt ja nun wirklich nie…). Das ist in der Bonner Südstadt leider in den letzten Jahren gekippt und so schließen immer mehr klassische Kneipen und Bars, es kommen dafür die veganen Cafés. Klar, das ist auch nett, könnte aber auch nebeneinander existieren (wenn euch das Thema interessiert, hier gibt es mehr dazu…).

Also, geht ins Zabi, es wird euch gefallen und es ist schön, dass es eine Kneipe gibt, die seit 1968 für ein ganz einfaches, aber auch ganz wunderbares Konzept steht: Als Gast eine schöne Zeit zu haben!

Ein Plakat im Zabi erzählt von der Vergangenheit: So (Kneipen-)vielfältig war die Südstadt einst!
Ein Plakat im Zabi erzählt von der Vergangenheit: So (Kneipen-)vielfältig war die Südstadt einst!

Deshalb meine Meinung: Ein Klassiker, ganz einfach zum Wohlfühlen bei einem netten Bier.

Adresse und Kartenlink: Argelanderstraße 24, 53115 Bonn

Testtag: Freitag

Fass: Flensburger, Bitburger, Früh, Paulaner

Flasche: Grimbergen, Leffe, Westmalle, Hoegaarden, Lindemans Kriek, Cramer

Besonderheiten: Samstags (!) Ruhetag

Internet: www.zabi-bonn.de

2 Gedanken zu „Zartbitter/ Südstadt/ Argelanderstraße

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