Bieryoga & Craft Beer: Ein Interview mit Wild Animal Brewing Koblenz


Wild Animal gibt es noch, aber ihr müsst nun weit fahren: Michael und Chloe sind im Spätsommer 2017 aus privaten Gründen nach Australien zurückgekehrt.


Manchmal muss man für gutes Bier ungewöhnliche Dinge tun – sehr ungewöhnliche Dinge, Yoga zum Beispiel. Gut, nun ist Yoga an sich nicht so unfassbar selten, Bieryoga dagegen schon. Bieryoga? Genau, Bieryoga, kein Tippfehler, kein Irrtum, sondern wirklich: Yoga und Bier! Und während Yoga für mich als Kneipenblogger nun wirklich ungewöhnlich ist, sage ich zu einem guten Bier nie nein. Und hier kommt das kleine Koblenzer Startup Wild Animal Brewing ins Spiel.

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Rhineland Bound! Michael & Chloe Stanzel haben in Koblenz ihr eigenes Craft Beer-Label gegründet

Wild Animal Brewing, das sind die beiden Australier Chloe und Michael, die in Koblenz ihren Traum von guten Craft Beer verwirklich haben. Ich lernte die beiden ursprünglich über Instagram und dann persönlich im Early Bird Shop in Bonn kennen. Beiden gemeinsam ist neben ihrem Enthusiasmus für gutes Bier ein unerschöpflicher Pool an verrückten Ideen – so wie Bieryoga. Hier ein Interview mit Chloe und Michael und unten noch ein wenig mehr zum sich verrenkenden Kneipenblogger sowie zu den Bieren der Wild Animals! Wir haben nämlich wirklich erst den aufsteigenden Hund geprobt und dann im Tasting viel über gutes Bier erfahren!

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Bier trifft Yoga – aber erst einmal das Interview, bevor es Bilder zum sich verrenkenden Blogger gibt…

We love Pubs: Hallo ihr beiden und danke für das kühle Bier nach der Hot-Yoga-Session! Wie seid ihr eigentlich von Australien nach Deutschland und wie zum Bier gekommen?

Michael: Ich bin bereits seit fünf Jahren in Deutschland und Chloe kam ein Jahr später nach. Wir beiden kennen uns schon seit wir 17 und 15 waren und haben uns in einer Bäckerei in Melbourne kennengelernt, dort fing dann die Liebe an. Ich wusste damals schon, dass ich einmal Bier brauen wollte, hatte selber schon mit 15 angefangen. In Australien darf man ja eigentlich erst mit 18 trinken und das war meine einzige Chance, an ein Bier zu kommen. Aber ich wollte das richtig lernen und dafür nach Deutschland. Und Chloe hat gesehen, dass das meine Leidenschaft ist, deshalb sind wir beide vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen, erst Cochem, dann Koblenz. Dort habe ich bei der Koblenzer Brauerei eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer gemacht. Die habe ich vor zwei Jahren abgeschlossen, arbeite dort aber weiterhin und daneben bauen wir jetzt unser eigenes Startup auf. Eigentlich wollten wir ja nach der Ausbildung zurück nach Australien, aber jetzt bleiben wir hier, weil wir hier Freunde haben und Craft Beer hier in Deutschland noch so viel Potenzial hat – das macht einfach Spaß, dabei zu sein.

Chloe (lacht): Jetzt gehen wir erst zurück, wenn alle in Deutschland unser Bier trinken!

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Von Australien nach Deutschland und voller kreativer Ideen: Wild Animal Brewing

We love Pubs: Wie kamt ihr denn zu dem Namen Wild Animal? Und mögt ihr etwas zu eurem Biersortiment sagen?

Michael: Wilde Tiere sind ja typisch für Australien und wir wollten lange etwas machen wie Wild Fox oder Wild Duckling oder ein anderes noch typischeres australisches Tier, auf jeden Fall mit einem Tier und mit Wild, weil das ist irgendwie geil und unser Bier soll ja auch wild, anders sein. Dann kamen wir einfach auf die Mischung, Wild Animals. Und auf unseren Labels sieht man das ja auch, der Hase zum IPA z.B. (lacht), der läuft so gut wie das Bier runter läuft! (Anmerkung We love Pubs: Jedes Label zeigt ein anderes Tier)

Chloe: Mit den Bieren wollten wir erstmal ein kleines, aber abwechslungsreiches Sortiment haben. Ein IPA gehört zum Craft Beer einfach dazu, aber da wollten wir nichts zu bitteres, eher eines, das sich gut trinken lässt. Und in Deutschland wollten wir auch ein Pils machen, das ist hier einfach typisch, aber ein besseres Pils, eines mit einer besonderen Note, das trotzdem noch für Craft Beer-Newbies ok ist. Wir nehmen übrigens immer australischen Hopfen, das bringt Nuancen rein, die hier kaum jemand kennt. Und unser Stout sollte ein richtiges Dunkelbier sein, durch das man nicht durchsehen kann – und guck mal: tiefschwarz!

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Das Sortiment umfasst zur Zeit drei Biere – plus einige Sondereditionen

We love Pubs: Ihr braut in Wittlich auf dem Gelände einer Winzerei. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Michael: Ja, das ist der Weinbau von Ernst Loosen. Er verkauft seine Weine auch in Australien und traf dort in Melbourne die Managerin einer Weinbar – meine Schwester! Nach einigen Weinen wollte er dort trotzdem ein Bier trinken und erzählte meiner Schwester, dass er selber gerne neben dem Wein brauen würde und sogar die Kessel habe, aber leider nicht das Know How. Und hey, da hat meine Schwerster gesagt, dass ich in Deutschland bin und dann war das sogar noch ganz in der Nähe, wir haben uns also getroffen und gedacht: Ernst hat die Anlage, wir das Wissen, dann machen wir das zusammen! Und weil es zum Weingut passt, wollen wir bald auch unseren eigenen Cider ansetzen.

We love Pubs: Wie hat denn die Koblenzer Brauerei darauf reagiert, dass einer ihrer Braumeister jetzt parallel seine eigene Brauerei gründet?

Michael: Doch, doch, das war schon ok, eigentlich sind wir ja auch keine Konkurrenz, Craft Beer wird doch oft von ganz anderen Leuten getrunken. Also, ein Pils aus Deutschland, da erwartet der Gast ja einen bestimmten Geschmack und dieser Gast tut sich ja oft mit Craft Beer schwer, aber diese Kunden kommen dann zu unserem Bier. (Jetzt denkt Michael kurz nach, lacht dann) Nach einem längeren Zeitungsartikel (Anmerkung: hier der Link) war man zwar etwas skeptisch. Aber wir verstehen uns gut und man hat natürlich auch gesehen: Hey, der gibt weiterhin 100% für uns!

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Michael hat sichtlich Spaß an gutem Bier – und das schmeckt man!

We love Pubs: Jetzt habe ich vorhin eine Stunde beim Hot-Yoga geschwitzt und die Grenzen meiner Beweglichkeit ganz neu kennengelernt. Wie entstand denn die Idee zum Bieryoga?

Chloe: Ich mache hier bei Hot Yoga Koblenz selber Yoga und kenne daher die Trainerin Katie Dixon sehr gut, wir sind befreundet. Dann sind wir auf diesen Trend aus den USA gestoßen: Beer-Yoga! Wir dachten: Super, da können wir unsere beiden kleinen Startups zusammenbringen! Aber beim Hot-Yoga ist es im Übungsraum so warm, da wollten wir euch kein warmes Bier beim Yoga trinken lassen, deshalb erst Yoga, dann Bier! Die Idee dahinter: Krasse und überraschende Kombinationen anbieten. Life is short, also wollen wir wilde Dinge machen – so wie Beer Yoga! Und vielleicht brauen wir bald auch ein kleines, ganz leichtes Bier extra zum Yoga!

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Beer meets Yoga, Beer Yoga! Yoga-Trainerin Katie Dixon zwischen Chloe & Michael

We love Pubs: Das ist eine gute Überleitung: Wo seht ihr euch und Wild Animal Brewing denn in – sagen wir – 10 Jahren?

Michael: Also, wir bleiben bestimmt in Deutschland, das Land ist schön, wenn wir Kinder haben sind die Schulen gut. (Schaut verschmitzt) Und in zehn Jahren trinken alle unser Bier! Beim Bier haben wir natürlich noch einiges vor. Wir suchen gerade eine Rösterei, mit der wir zusammenarbeiten können und dann Coffee mit Stout mischen. Dann wollen wir auch die Sondereditionen ausbauen. Die zweite ist jetzt fast fertig, die dritte kommt, da planen wir noch weitere. (Anmerkung: Einige besondere Biere wie ein Rice-Lytchee-Lager legen die Wild Animals nur in begrenzter Stückzahl auf). Und natürlich der Cider, der wird auch eine Cooperation mit einem anderen kleinen Startup. Wie Chloe schon sagte: Wir wollen uns noch mehr mit lokalen Startups vernetzen.

Chloe: Und bis dahin bin ich dann auch Brauerin! Ich mache jetzt selber auch die Ausbildung, im Fernstudium.

Michael (lacht): Hier ist sie die Chefin und dort studiert sie!

Chloe: Genau, aber es muss mehr Frauen als Brauer geben. Ich glaube, das gibt es in Deutschland fast gar nicht und Bier ist gar keine reine Männersache, das ist ja Quatsch! (Lacht) In 10 Jahren bin ich die beste Craft Beer-Brauerin!

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Wirklich gutes Bier – Probiert es mal!

We love Pubs: Bleibt zum Abschluss meine obligatorische Schlussfrage: Pils oder Kölsch?

Chloe: Du meinst deutsches Pils? Dann Kölsch! Pils ist hier immer so Standard!

Michael: Nein, das stimmt so nicht, Pils kann ja viel mehr sein, viel vielfältiger, so wie unser Blue Throat Pils, nein, ich nehme das Pils!

We love Pubs: Danke für das Interview, das super leckere Bier und natürlich für die Yoga-Erfahrung!

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Das Shirt mit dem Label könnt ihr übrigens kaufen!

Bieryoga also! Ihr habt es gelesen: Michael und Chloe wollen ausprobieren und mit dem Bieryoga ist ihnen das sicherlich gelungen. Obwohl wir nur eine kleine Gruppe waren, lohnt sich das Event schon für den Namen! Bei unserer Session waren Yoga und Tasting getrennt, also erst eine Stunde Yoga, dann die Biere der Wild Animals im Test. Das soll aber bald anders werden und Michael und Chloe überlegen sogar, ob im Sommer Events unter freiem Himmel möglich sind. Ich möchte euch natürlich meine ganz persönlichen Bieryoga-Impressionen nicht vorenthalten. Ein Kneipenblogger in seiner ersten Erfahrung als heraufschauender Hund – einfach Om!

Ok, ok, ihr wollt es doch auch! Dynamischer Kneipenblogger und Craft Beer Fan betritt Neuland...
Ok, ok, ihr wollt es doch auch! Dynamischer Kneipenblogger und Craft Beer-Fan betritt Neuland…

 

Für gutes Bier muss man sich auch mal etwas strecken...
Für gutes Bier muss man sich auch mal etwas strecken…

Und natürlich das Bier und die Links! Wild Animal Brewing bietet momentan drei Biere, alle in 0,33er Flaschen und immer mit einem grafisch anders designten Tier auf dem durchsichtigen Etikett. Für Einsteiger, die ein eher normales Bier wollen, keine großen Hopfenexperimente, bietet sich das Blue-Throat-Pils ein. Anders als ein deutsches Pils riecht es lecker getreidig und der australische Hopfen bietet eine schöne, runde Bitternote, ohne wirklich bitter zu ein. Wer sich schon mit Craft Beer auskennt, für den ist sicherlich das The Hare IPA etwas – und falls ihr gar nicht wisst, was ein IPA ist: Hier der Link zu meinem Bierlexikon! Das IPA riecht fruchtig-hopfig und schmeckt auch so, verzichtet aber auf den vollständigen Geschmacksblumenkorb vieler anderer IPAs. Das Coffee-Oatmeal-Stout mischt Röstaromen mit einem Anteil Hafermalz und bietet so eine wunderbar dunkle Kaffeenote – wie Chloe sagte: Tiefschwarz, man kann nicht hindurchsehen, kräftig und trotzdem nicht schwer. Ich kann euch alle drei Biere sehr empfehlen, ihr bekommt sie in Bonn beim Early-Bird-Shop in Bad Godesberg und bei P&M-Getränke in Friesdorf!

Falls ihr weiterlesen wollt: Hier geht es zur Facebookseite von Wild Animal Brewing und Katie Dixons Hot Yoga Koblenz findet ihr hier!

Katie Dixons Hot Yoga-Studio. War eine Erfahrung (und Katie macht das echt gut!), aber vielleicht bleibe ich doch beim Bier!
Katie Dixons Hot-Yoga-Studio. War eine Erfahrung (und Katie macht das echt gut!), aber vielleicht bleibe ich doch beim Bier!

 

Nach den Körperverknotungen mehr als verdient: Ein Oatmeal Stout
Nach den Körperverknotungen mehr als verdient: ein Oatmeal Stout

Das vorliegende Interview habe ich handschriftlich mitgeschrieben und später aus stilistischen Gründen stellenweise angepasst, der vorliegende Text wurde von Chloe und Michael autorisiert.

 

2 Gedanken zu „Bieryoga & Craft Beer: Ein Interview mit Wild Animal Brewing Koblenz

    1. Hehe, ne, gar nicht – ich habe aber auch ziemlich rumgeeiert und so ziemlich alle Übungen falsch gemacht 😉

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