Die Bierbörse

Seit 2014 gibt es We love Pubs und damit bestand jetzt, 2016, schon die dritte Möglichkeit, endlich über die Bonner Bierbörse zu schreiben. Damit habe ich mich bisher schwer getan, denn es ist eine Art Hassliebe, die mich mit diesem umherreisenden Großevent verbindet. Hier ein kurzer Bericht über die Bierbörse 2016 und warum ich bei viel Licht auch Schatten sehe.

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Die Bierbörse: Man kann über sie streiten, aber sie gehört irgendwie zu Bonn

Keine Frage, ich mag die Bierbörse in Bonn und gehe seit Jahren hierhin. Als Student war ich erstaunt, welche ungewöhnlichen Biere es gibt. Es gibt tschechische Biere, kroatische Biere, ganz viele Helle aus Bayern, es gibt einige kleine Marken aus der Region, es gibt indische und thailändische Exoten. Der Anbieter nennt auf seiner Webseite (s.u.) 80 Anbieter mit zusammen über 700 Bieren. Ja, das hat mich lange wirklich umgehauen.

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Exoten wie Becher-Bräu aus Franken finden man, aber es dominieren die Großen

Heute ist das anders. Wie es Andrea vom schönen Blog Kocheule treffend sagte: Die Bierbörse bietet seit etwa 20 Jahren ein fast identisches Programm. Das stimmt und ich selber merke: Bier hat sich weiterentwickelt, ich habe mich weiterentwickelt. Heute suche ich auf einem großen Bierfest eher die wirklich kleinen und lokalen Brauereien, möchte ungewöhnliche Bierstile. Ja, es gab auf dieser 21. Bonner Bierbörse einen kleinen, aber doch zentral gelegenen Stand nur für Craft Beer (ihr wisst nicht, was das ist? Lest hier!). Andererseits gab es da auch nur die neuen Bierstile von den Marken, die bereits wieder groß unter den Kleinen sind. Und nicht alles, was als Craft Beer angepriesen wurde, war es auch.

Bierbörse Craft Beer
Neu war der Craft Beer-Stand

 

Craft Beer Bierbörse
…allerdings wurde der Begriff „Craft Beer“ sehr weit gefasst

Dabei benötigt ein gutes Bier-Event für mich nicht zwingen das Label „Craft Beer“. Aber es muss sich entwickeln und Vielfalt neben dem Massengeschmack anbieten. Da sehe ich bei der Bierbörse Nachholbedarf. Die dort gebotenen Bierstile umfassen zu gefühlt 90% die Sorten Pils, Kölsch, Helles, Weizen, vielleicht hier und da noch ein naturtrübes Bier oder ein Kellerbier – das ist einfach etwas wenig (wer sich ein Bild über die Vielfalt der Stile machen will: Hier findet ihr ein kleines Lexikon der Bierstile). Und auch die Brauer entstammen fast alle der Brau-Riesen, egal ob tschechisches Gambrinus aus der Pilsener-Urquell-Gruppe oder Hacker-Pschorr aus dem Paulaner-Haus – die Marken mögen zwar im Rheinland mehrheitlich einen gewissen Seltenheitswert haben, trotzdem stehen sie oft für Bier-Massenproduktion und Großindustrie. Das wäre an sich nicht schlimm, gäbe zusätzlich auch kleine regionale Stände, doch die sind selten, denn die Hürden sind hoch (dazu unten mehr). Es gibt sie natürlich, die kleineren Brauereien, z.B. Weltenburger oder das von mir erstmalig entdeckte Becher-Bräu. Andererseits bekommt man diese Biere mittlerweile auch in vielen etwas anspruchsvoller sortierten Getränkemärkten. Und das Gro der Veranstaltung gehört dann eben doch zu den weltumspannenden Brau-Großkonzernen.

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Hacker-Pschorr: Schon nett (und lecker!), aber auch nicht wirklich exotisch

Doch genug Wasser im Wein – äh, Bier. Man kann die Bierbörse natürlich auch anders sehen, nämlich so wie mein Freund Andreas: Die Bierbörse ist ein Wochenende lang der größte Biergarten Bonns und bietet bei gemütlicher Stimmung einen Einblick in die Welt der Biere für alle die, die sonst eher ihrem Stamm-Pils oder Lieblings-Kölsch treu bleiben. Und ich muss zustimmen: Die Atmosphäre der Bierbörse ist in Bonn wirklich entspannt, auf der großen Wiese in der Rheinaue findet ein Volksfest für die ganze Familie statt, es gibt neben den Bierständen zig Fressbuden, Karusselle, Attraktionen für Kinder sowie natürlich die große Bühne mit Livebands – ja, mich selbst kann man mit Guildo Horn durchaus begeistern! Es ist ein bisschen wie Schützenfest: Es wird zwar viel getrunken, aber ausfallend ist es auf keinen Fall. Nein, die Bierbörse ist kein Männer-Besauf-Fest, dieser Vorwurf trifft nun wirklich nicht zu.

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Volksfeststimmung auf der großen Wiese in der Bonner Rheinaue

Hinter der Bierbörse steht übrigens die Leverkusener Eventagentur Werner Nolden, die auch die Kölner Lichter mitorganisiert. Die Börse tingelt durch ganz Deutschland, viele Stände sind ist dabei allerorten gleich, aufgepeppt durch einige wenige regionale Brauer. Wer einen Blick auf die Teilnahmebedingungen für die teilnehmenden Stände wirft, der merkt, dass hier ein Großorganisator am Werk ist – daher vermutlich auch die wenigen wirklich kleinen Anbieter, für die die Messlatte der Bedingungen durchaus hoch liegt – Micro-Brauereien haben nun einmal oft keine einheitliche Kleindung, keinen festen Stand, kein Geld für die Standgebühren. Aber wie oben schon gesagt: Die Bierbörse ist kein Event für kleine Startups.

Ihr merkt: Ich bleibe zwiegespalten und bin dennoch irgendwie Fan. Deshalb werdet ihr mich bestimmt auch 2017 wieder auf der Bierbörse treffen.

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Ein Blick zwischen die Stände

Hier der Link zur Webseite der Bierbörse.

 

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