Blow Up/ Zentrum/ Rathausgasse (alt)


Das war´s! Seit Herbst 2016 gibt es die coolste Nachtbar Bonns nicht mehr. Schade!


Bonn ohne das Blow Up? Undenkbar! Dennoch musste dieses Stück Bonner Stadtgeschichte, an dem so viele Erinnerungen aus der Studentenzeit und aus langen Nächten hängen, im Sommer 2016 im Rahmen der unklaren Lage um das Viktoriaviertel schließen. Jetzt, zum Sommer 2017, steht endlich der Nachfolger in den Startlöchern, zu dem ein Bericht noch folgt. Hier findet ihr noch einmal einen Blick in die alte Location der verruchtesten Bar Bonns!

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Mehr Rotlicht für Bonn! Das Blow Up ist ein echtes Bonner Original

Sind wir Bonner wirklich so ein komisches Volk, dass wir ein reichlich in die Jahre gekommenes Karree mit einem leeren Schwimmbar, einem Studentencafé im Charme der 80er (dem Blau) und einen alten Puff so sehr lieben, dass die sonst eher beschauliche und oft beamtische Stadt dafür auf die Straße geht? Vielleicht geht es einigen Bonnern ja so wie mir: An den Lokalen des Viktoriakarrees hängen Erinnerungen, die bis weit in die Zeit als Erstsemester zurückreichen. Schon damals ging ich mit Erstirallye in diese ehemalige Stripbar, die einfach besonders war.

Das Blow Up und sein besonderes Flair: Aus dem Etablissement „Lady Hammilton“ wurde 1996 das Blow Up, eine Nachtbar, die erst um 22.00 Uhr öffnet, dafür aber bis früh in den Morgen ihre Gäste bedient. Mit dem Cliché des samtseidenen spielte das Blow Up dabei immer: In rotes Licht getaucht, große Spiegel, Samtstoffe, erotische Bilder – das Verruchte ist Programm. Hier konnte man als Student bis früh in den Morgen schwofen und sich ein bisschen wie Al Capone fühlen.

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Lady Hammilton – die ehemalige Stripbar machte das eigene Flair des Blow Up aus

Nachleben nach Mitternacht, das findet man bis heute selten in Bonn, das Blow Up war aber nicht nur deshalb schon immer Anlaufpunkt. Auch das Angebot sorgt dafür, dass selbst heterogene Gruppen hier ihren Kompromiss fanden: 16 Biere (ohne Mixgetränke), zwei Cider, Longdrinks, Cocktails und natürlich die ewig sich drehende Mischmaschine für den Erdbeer-Limes – das alles gehörte zum Blow Up ebenso wie die fairen Preise.

Voll war es hier immer, brechend voll sogar! Ein erster Schwung an Gästen traf in der Regel zwischen 22.00 und 24.00 Uhr ein, dann ab 2.00 Uhr folgten die echten Nachtschwärmer. Man drängte sich. An der Theke sitzen Gäste, dazwischen wurde ausgeschenkt. Im hinteren Teil des 70qm-Lokals konnte man auf einigen Sofas sitzen, aber die meisten Gäste standen ja doch oder bewegten sich leicht rhythmisch auf der winzigenTanzfläche.

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Spiel mit dem Chliché, darin lag der Charme des Blow Up!

Das Blow Up war ein Original, hier musste man sich auf diesen dunstigen, engen Charme im tiefroten Licht einlassen. Da sollte man eher nicht meckern, wenn der Cocktail mal länger dauert. Für das Blow Up gelten andere, eigene Regel – weil es das Blow Up so will. Was es hier übrigens nie gab: Eintritt oder Türpolitik – es gab zwar einen Türsteher, aber der guckte nur kurz in die Taschen und begrenzte nur im Notfall den Zustrom. Kleidung? Schuhe? Typen? Alles egal, alle waren im Blow Up willkommen! Kommen und gehen, leben und leben lassen, das war hier das Motto.

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So leer ist es an der Theke nur, wenn man wie ich für die Photos außerhalb der Öffnungszeiten kommt

 

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Das Blow Up von außen: So kennen und liebes es viele Bonner

Und Bonn ohne das Blow Up? Klar, man kann das gesamte Karree als renovierungsbedürftig einstufen. Aber dass nun ein gesichtsloses Spekulationsobjekt kommen soll und gewachsene Strukturen vernichtet werden, obwohl der Stadtrat eigentlich für den Erhalt des Karrees gestimmt hat – wer wünscht sich das?

Also, kein Bonn ohne das Blow Up! Ich freue mich schon jetzt auf den Nachfolger und auf viele durchschwofte Nächte im typisch gedimmten Late-Hight-Flair! Dazu könnt ihr hier bald mehr lesen!

Deshalb meine Meinung: Schön war´s!! Freuen wir uns alle auf den Nachfolger!

Testtag: Zwischen 1999 und 2016 regelmäßig spätnachts

Fass: Gaffel, Veltins, Astra Urtyp, Franziskaner

Flasche: Beck´s, Flensburger, Heineken, Budweiser (Budvar), Estrella Damm, Lindemans Kriek, Astra Rotlicht, Augustiner (Hell, Edelstoff), Franziskaner (Kristall, Dunkel), Desperados, zwei Cider von Bulmiers

Besonderheiten: Rotlicht in den Räumen der „Lady Hammilton“, ein Stück Bonner Kulturgut

Internet: Hier der Link zur Homepage

Zum Weiterlesen: Initiative Viva Viktoria, die sich für den Erhalt des Viktoriakarrees einsetzt. Für einen Überblick über die Lage im Viktoriakarree haben wir in diesem Beitrag die Positionen aller Bonner Ratsparteien zusammengetragen. Außerdem findet hier mein Interview mit den Betreibern des Blow Ups und hier meine Sicht auf den Kneipenwandel in Bonn.

Spuren des alten "Lady Hammilton"
Spuren des alten „Lady Hammilton“

Ein Gedanke zu „Blow Up/ Zentrum/ Rathausgasse (alt)

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