Das Nichtraucherschutzgesetz & Bonner Kneipen

Wir wollen uns auf vermintes Gelände wagen und ein Thema ansprechen, an dem sich die Geister vor zwei Jahren heftig schieden: das Nichtraucherschutzgesetz in NRW sowie seine Folgen für die Kneipenlandschaft. Beginnen möchten wir mit einer klaren Aussage: wir lehnen dieses Gesetzt ab, da es über das Ziel hinausschießt. Sind jetzt alle Gemüter in Wallung? Seid ihr noch bei uns oder habt ihr bereits jetzt auf Twitter, Facebook und allen anderen Kanälen den Entfolgen-Button gedrückt? Falls ihr noch lest, erklären wir gerne unsere Sicht auf das Nichtraucherschutzgesetz am Beispiel der Bonner Kneipenszene, denn mittlerweile sind trotz beruhigter Gemütslage die Folgen absehbar.

Nichtraucherschutzgesetz Bonner Kneipen

Aber zuerst die Sachlage: Seit 1. Mai 2o13 gilt die aktuelle Fassung des Nichtraucherschutzgesetzes NRW, die das Rauchen in gastronomischen Betrieben grundsätzlich verbietet. Ausnahmen, wie die zuvor erlaubte Raucherei in der sogenannten Eckkneipe oder im Raucherclub, wurden grundsätzlich verboten. Das Gesetzt ist derartig streng, dass auch Schützenfestzelte und Karnevalsveranstaltungen erfasst sind – und das will im Rheinland und in Westfalen durchaus etwas heißen. Bei wiederholten Verstößen gegen das Gesetz können die örtlichen Ordnungsämter bis zu 2500,- Euro Bußgeld aussprechen. So viel so gut – oder eher so schlecht, denn wie bereits gesagt, sehen wir dieses Gesetz kritisch und wollen dies kurz erklären. Dazu zäumen wir jedoch das Pferd von hinten auf und versuchen häufig gehörte Argumente für das Nichtraucherschutzgesetz aufzugreifen. Vielleicht wird dadurch deutlich, warum hier aus unserer Sicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Auf geht`s…

Rauchen in Restaurants … lehnen wir ebenfalls ab. Wo gegessen wird, dort sollte nicht geraucht werden. Wir wollen dabei auch gar nicht zwischen Restaurant, Bistro oder Kneipe mit kleiner Speisekarte unterscheiden. Speiseräume sollen rauchfrei sein, das ist ok, denn wir möchten im Folgenden ausschließlich über Trinklokale sprechen.

Rauchen schadet … das ist erwiesen, zweifelsohne. Allerdings sind wir der Meinung – philosophisch gesprochen – , dass es ein Grundrecht des freien Menschen darstellt, sich selbst zu schaden. Deshalb möchten wir ein im Freundeskreis häufig gehörtes Argument aufgreifen, das da lautet: „Seit dem Nichtraucherschutzgesetz rauche ich viel weniger, weil ich mir zum Bier keine Zigarette mehr anzünden darf.“ Faktisch mag das stimmen, aber ein Argument für das Nichtraucherschutzgesetz findet sich hier noch lange nicht. Oder ist es wirklich ein Argument, wenn mündige und aus unserer Sicht in jedem Einzelfall intelligente Menschen einen Aufpasser benötigen, der sie erzieht, indem er dem Laster Hürden entgegensetzt? Und selbst wenn das Gesetz wirklich der Gesundheitserziehung vieler helfen sollte: spricht das wirklich für ein generelles Verbot für alle? Aus unserer Sich eher nicht.

Rauchen als Gruppenzwang … neben dem zuvor genannten Argument hörten wir auch oft, dass der Nichtraucher früher gar keine Wahl gehabt habe, da die Mehrheit der Freunde doch in ein Raucherlokal gezogen sei und man folglich passiv mitrauchen musste. Wirklich? Keine Wahl? Nein, nein, damit möchten wir niemanden durchkommen lassen, eine Wahl bestand immer und gute Freunde ließen sich durchaus darauf ein, in ein rauchfreies Lokal zu wechseln. Uns gefällt nicht, dass hier ein Gesetzt deshalb positiv gesehen wird, weil es kleinere Nebenlaster der Gesellschaft beseitig. Das genügt aus unserer Sicht nicht, um derart massiv in die Kneipenszene einzugreifen, vielmehr sehen wir auch hier die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen bei der Lokalwahl gegeben – und Freiheit ist für uns das höchste Gut, noch vor Gesundheit. Übrigens, Stichwort Gruppenzwang: bleibt jetzt, mit dem Nichtraucherschutzgesetz, der Nichtraucher wirklich alleine am Tisch zurück und freut sich über die gute Luft, wenn die Freunde vor der Tür rauchen?

Rauchen vor der Tür … womit wir direkt beim nächsten Punkt wären. Mittlerweile sieht man vor jeder Kneipe eine Traube Raucher, die Stimmung ist nett, man kommt ins Gespräch. Aus unserer Sicht ist das sogar ein sehr positiver Begleiteffekt des Nichtraucherschutzgesetzes, wir lieben bekanntermaßen das schnelle Gespräch und den leichten Kontakt in einer Kneipe – wäre da nicht die typische bönnsche Mischung aus Lärmmotzkis und Ordnungsamt. Plötzlich entsteht ein anderes Problem, das der lärmenden Gäste nach 22.00 Uhr. Nur das interessiert den Gesetzgeber leider reichlich wenig, es wird mit saftigen Bußgeldern gegen den Wirt geantwortet.

Rauchen als Mitarbeiterbelastung … gar keine Frage, Kellner und Kellnerinnen können sich – anders als der frei wählende Gast, der sich gegen ein Lokal entscheiden könnte – nicht gegen den Rauch wehren. Hier setzt ja auch die juristische Argumentation des Nichtraucherschutzgesetzes NRW ein, die ausdrücklich den Schutz vor dem Passivrauchen als zentrale Legitimation gewählt hat, und zwar als Arbeitsschutz (der Gesundheitsschutz der Gäste wurde auch von den Gerichten ausdrücklich nicht als hinlängliche Begründung anerkannt). Das erkennen wir vollumfänglich an, keine Kellnerin sollte in der verquarzten Eckkneipe ungewollt mitrauchen müssen. Blöd nur, dass das reale Nichtraucherschutzgesetz alle Arten gastronomischer Betreibe gleich behandelt, also auch jene, in denen der Wirt selber und ganz alleine tätig ist. Der Wirt ist nun einmal kein Angestellter und befindet sich freiwillig in seinen Räumen, er muss also nicht geschützt werden. Solche Lokale bilden zwar nur einen Teil der Kneipenszene, aber sie leiden besonders unter dem Gesetzt. Wichtig ist uns dabei auch, dass es sich tatsächlich um private Räume handelt, nicht um öffentliche in einem juristischen Sinne. Kneipen sind zwar geöffnet, also besuchbar, aber die sind nicht öffentlich, sondern es gilt das Hausrecht des Wirts – und das wurde massiv eingeschränkt. Warum diese Einschränkung, wenn es keine Mitarbeiter zu schützen gibt und nur der Wirt selber seine Eckkneipe betreibt?

Rauchen als Kneipenphänomen … jetzt kommen wir endlich zur entscheidenden Frage, warum sich ein Bonner Kneipenblog für das Rauchen in kleinen Lokalen stark macht. Es deutete sich ja zuvor bereits an: die kleinen Eckkneipen, die Veedelskneipen, die Ein-Raum-Kneipen, sie alle leiden unter dem Gesetzt. Wir haben zwar recherchiert, aber keine gesicherten Zahlen gefunden, wie das Nichtraucherschutzgesetz die Kneipenlandschaft verändert hat. Die Rheinische Post schrieb im April dieses Jahres, dass kein Kneipensterben zu erkennen sei – die gastronomischen Fachverbände sehen das jedoch ganz anders (wir berufen uns auf einen Bericht der NOZ). Letztere Sicht bestätigten uns Bonner Wirte. Wenn wir beispielsweise die Zone in der Bonner Altstadt und das Schröders in Bonn Beuel heranziehen, dann klagten beide Wirte über ausbleibende Gäste oder Dauerprobleme mit dem Ordnungsamt aufgrund der nunmehr vor der Tür rauchenden und redenden Gäste. In Bonn sei – so die Wirte – angeblich ein Viertel der Kneipen existentiell bedroht.

Deshalb unsere Meinung: das Nichtraucherschutzgesetz NRW ist mit seinem generellen Rauchverbot über das Ziel hinausgeschossen. Lokale ohne Speisen, in denen nur der Wirt selber arbeitet, sollten befreit werden. Absolutismen sind unseres Erachtens selten zielführend, vielmehr liegt in der (klar definierten) Ausnahme die Chance!

Vielleicht werdet ihr jetzt im Chor antworten: Aber dann rauche ich wieder mehr! Dann muss ich wieder mit den rauchenden Freunden mitgehen! Dann stinken die Klamotten wieder! Ok, wenn das die wahren Vorteile des Nichtraucherschutzgesetzes sind, dann muss leider auch der Preis gezahlt werden, nämlich sterbende Eckkneipen und eine verflachende Kneipenlandschaft, vor allem außerhalb des Zentrums – auch in Bonn. Uns ist dieser Preis zu hoch. Stattdessen lieber Kneipenvielfalt leeve un leeve losse – das hat im Rheinland schon immer am besten geklappt.


PS: vielleicht lohnt es sich zu erwähnen, dass der Autor dieser Zeilen Nichtraucher ist. Und natürlich handelt es sich nicht um ein NRW-Problem, sondern um eine europaweite Vereinheitlichung – aber die Grundaussage ändert sich dadurch nicht.

6 Gedanken zu „Das Nichtraucherschutzgesetz & Bonner Kneipen

  1. Auch ich rauche sehr sehr gerne, wenn ich in einer Kneipe etwas trinken gehe, jedoch hat meine persönliche Freiheit da aufzuhören, wo die von anderen Menschen anfängt.

    Wenn ich mich dazu entscheide zu rauchen, ist es mein Problem und meine Gesundheit, der ich damit schade. Ich und auch niemand anders sollte jedoch damit auch noch anderen Leuten Schaden zufügen dürfen.

    1. Genau, absolute Zustimmung! Aber das hatten wir ja geschrieben: Mitarbeiterschutz (Kellner/-innen etc.) muss gelten, aber der Wirt selber sollte in seinen eigenen Räumen festlegen können, was er möchte, das sehen wir als Hausrecht. Will er ein Lokal für Raucher, setzt er sich als Betreiber freiwillig dem Risiko aus, das sollte ihm niemand verbieten. Und der nicht rauchende Gast kann eines der vielen anderen Lokale wählen, denn Eckkneipen sind ja nicht die Regel, sondern nur ein gewisser Prozentsatz… Dann wäre eigentlich allen gedient, oder?

  2. In Irland funktioniert das prima, die haben eine tolle Kneipenkultur, stehen allerdings auch nicht stundenlang draußen und quasseln, sondern rauchen eine und feiern drinnen weiter. Viele Pubs haben auch hinten raus den Raucherplatz. Auch in Bayern hat sich das alles eingespielt, da ist sogar auf dem Oktoberfest rauchfrei. Und man hat gleich nicht mehr so einen dicken Kopf danach 😉 Ausnahmen sind der falsche Weg, denn so werden manche bevorteilt. Nur ein striktes Rauchverbot ist konsequent für alle gleich und schafft Klarheit. Bei uns in RLP gibt es leider noch viele Ausnahmen, da sind dann im Lokal nur im Raucherbereich noch Plätze frei, oder man muss durch den Qualm, weil an der Theke geraucht wird, oder die Trennung ist so lasch, dass der Qualm rüber zieht. Allerdings werden es immer weniger.

    1. Danke für die Ergänzung! Aber die strengeren Regeln anderswo legitimieren das Gesetz aus unserer Sicht nicht – immerhin stellt es einen Eingriff in die privaten Räume des Wirtes dar, deshalb die aus unserer Sicht sinnvolle Ausnahme für Eckkneipen im Ein-Mann-Betrieb. Auch geht es dem Gesetzgeber ja gar nicht um den Schutz der Kunden (dicker Kopf, Passivrauchen), das hatten die Gerichte nach Klagen der Gastroverbände sehr schnell als unzureichend herausgestellt.

      Und das Ausland: ja, ein Irish Pub – da geht und natürlich das Herz auf! Wir wissen auch nicht, warum dort weniger lange rauchend vor der Tür verweilt wird. Aber auch in Irland (in GB ebenso) sterben Pubs, sogar wirklich viele. Natürlich wissen wir nicht, ob das nur mit dem Rauchergesetz in Zusammenhang steht (im verlinkten Text steht die Wirtschaftskrise im Mittelpunkt, aber das Phänomen ist bis heute ungebrochen. Hier der Link: http://www.focus.de/reisen/irland/tid-20052/irland-das-stille-sterben-der-pubs_aid_558756.html). Wir glauben: jedes weitere Hindernis für kleine (!) Gastronomen verschärft deren Überlebenskampf.

      Danke auf jeden Fall für die hilfreichen Ergänzungen!

  3. Wer sich über das Thema „Rauchverbot“ mal mit Gastronomen und auch Service-Personal unterhält, erfährt als weiteren Faktor, losgelöst vom Thema Gesundheit oder Lärm, dass Zechprellerei signifikant zugenommen hat. Ist ja einfach, Bier austrinken, Zigaretten schnappen, im Winter noch die Jacke gegen Kälte … und wenn man schon mal draußen ist, wieso wieder rein zum Zahlen?
    OK, ist kein Eckkneipen-Problem, wo der Wirt alles im Auge hat und der Deckel für die Stammgäste bleibt, aber überall dort, wo viele wechselnde Gäste geht, müsste eigentlich mit Vorkasse gearbeitet werden, zahlt sonst die „brave“ Mehrheit als Aufschlag hinterher den Preis.

    Interessant ist ja auch, dass „Nichtraucher-Lokal“ vor der Gesetzesänderung so gut wir nirgends zu finden war, der gastgebende Gastronom war darin schon immer frei. Jetzt ist er in der Ausübung seines Gewerbebetriebs eingeschränkt, bleiben die rauchenden Stammkunden nämlich nicht einfach den Abend über sitzen. Wer eh aufsteht zum Rauchen, der kann auch danach gehen und wer eh draußen rauchen muss, kann sein Bier auch zuhause trinken, wo auch draußen geraucht werden muss … würden Gesetze doch wirklich mal Sinn machen.

    Das Übel „Rauchverbot“ kommt übrigens aus Bayern, wo die rauchende Menge in der Kneipe nicht von der Mass und den Kippen wegkam, als eine militante Nichtraucher-Minderheit einen Volksentscheid gewann, weil niemand zur Wahl ging … erst danach wachte die Mehrheit auf, da war die Messe aber gesungen und was Bayern einführt, zum Wohle der Gesundheit, können sich andere Länder nicht entgehen lassen. Es sind also nicht nur die Politiker dran Schuld, sondern insbesondere die lethargischen Bürger.

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