Rien ne va plus/ Bad Godesberg/ Friedrichallee

„Würde ich dort wohnen, wäre das Rien ne va plus eine eindeutige Stammkneipe!“ Ok, diese Einschätzung ist geklaut, denn wir mussten als Beueler die Adresse des Rien ne va plus in Bad Godesberg googeln und stolperten auf Facebook über diese Einschätzung. Und auch wenn wir vorgreifen: wir stimmen zu! Aber halt, wir eilen voraus und wollen lieber vorne beginnen:

Kneipe Bonn Bad Godesberg Rien ne va plus

Das Rien ne va plus findet ihr im Godesberger Villenviertel, also einem Stadtteil bestehend aus Jugendstil- und Gründerzeithäusern in Glanz und Pracht der Jahrhundertwende um 1900. In einem solchen Haus ist auch das Rien ne va plus beheimatet und vielleicht erwartet man in diesem Viertel gehobene Gastronomie oder Bars für den großen Geldbeutel. Dem will das Rien ne va plus jedoch gar nicht entsprechen, vielmehr findet sich hier eine Kneipe für jedermann, die mit fairen Preisen den Geldbeuten schont und trotz bourgeoisiem Flair jugendliche Leichtigkeit und Sorglosigkeit ausstrahlt.

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Stichwort Flair: in das Godesberger Ensemble aus Gründerzeitvillen würde keine Eckkneipe im klassischen Sinn passen, vermutlich haben sich die Besitzer auch deshalb entschieden, das Innere ihres Lokals den äußeren Gegebenheiten anzupassen: die drei durch offene Durchgänge verbundenen Räume sind mit Teppich ausgelegt, an den Fenstern befinden sich ganz weiße Spitzengardinen, die Tür wird von einem schweren Filzvorhang gegen Wind und Wetter geschützt. Die Gäste sitzen – wenn nicht an der belebten Theke – auf Barhockern an hohen, ovalen Bartischen. An den Wänden finden sich alte Emailleschilder, aber auch Portraits aus der Jahrhundertwende. Den zentralen Raum bestimmt eben jene wunderbare alte Holztheke mit einer Zapfanlage, so schön, man möchte nie wieder anderswo ein Bier gezapft bekommen! Das alles versprüht – entschuldige, geliebtes Bonn! – im positiven Sinn den Charme einer altberliner Kneipe – würdig, old school, aber doch entspannt.

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Jetzt denkt ihr, liebe Leser, natürlich: ach, wie öde, wie altmodisch, da muss ich nicht hin, ich bin ja noch jung. Aber ihr täuscht euch! Denn das Godesberger Rien ne va plus ist alles andere als alt. Während unseres Besuchs, immerhin an einem kneipenfeindlichen Mittwoch, war das Rien picke packe voll und es tummelte sich ein herrlicher Mix aus Gästen zwischen 20 und 60 Lenze, die teils aus dem Godesberger Veedel zu stammen schienen, teils aber auch internationale Studis waren. Wir hörten auf jeden Fall an zwei Tischen international English und waren sehr positiv überrascht, denn hier findet sich genau die Bandbreite an Menschen, die ein Lokal aus unserer Sicht ausmacht! Wir haben lange überlegt, wie wir dieses absolut stimmige kneipige Gesamtkonzept – dazu zählen wir Kartenspieler an der Theke ebenso wie englischsprechende Gäste und die junge, super freundliche Bedienung – in eine kurze, verständliche Formulierung bringen können, aber uns fiel einfach keine ein, außer vielleicht dieser: die Zeit ist ein wenig stehengeblieben, aber Jugend eingezogen. Oder ganz schlicht: ein Ort zum Wohlfühlen für jeden!

Kneipe Bonn Bad Godesberg Rien ne va plus

Stichwort Zeit: in einem kurzen, netten Gespräch mit den beiden Besitzern erfuhren wir, dass das Rien ne va plus in Bonn-Bad Godesberg bereits seit 1986 existiert und in Eigenarbeit von einem Elektroladen zur heutigen Lokalität umgebaut wurde. Das hat uns natürlich beeindruckt und bestätigt uns, dass gute Gastro-Atmosphäre wachsen muss und nicht am Systemgastro-Reißbrett erfunden werden kann.

Nun müssen wir natürlich auch noch auf die harten, pardon: flüssigen Fakten schauen – also auf die Getränke. Bitburger, Reissdorf und Erdinger haben uns nicht wirklich umgehauen. Aber es ist unser guter Vorsatz, weniger über die Bierauswahl in Bonner Kneipen zu jammern, also lassen wir das einfach mal so stehen. Alle diejenigen, die weniger Bierexoten sind als wir, werden ohnehin zufrieden sein und außerdem gibt es im Rien wirklich gute Alternativen zum Bier, erwähnen wollen wir hier lediglich die Weine und den Obstler! Essen ist übrigens auch möglich und soweit wir aus der Distanz sahen, machen die Schnitzel einen ganz wunderbaren Eindruck (es gibt natürlich nicht nur Schnitzel, aber der Nachbartisch lenkte unseren Blick hierhin….).

Ach ja, natürlich kann man im Sommer im Rien ne va plus auch draußen sitzen, von Bierbänken aus auf die Kreuzung Friedrichallee/ Rüngsdorfer Straße schauen und dabei den Blick in die Jugendstilpracht und das Leben an der Stadt genießen.

Rien ne va plus Bonn Bab Godesberg

Also, was sollen wir sagen? Ganz offensichtlich unterschätzen wir das Kneipenleben in Bad Godesberg – das tolle Rien ne va plus ist auf jeden Fall eine absolut positive Überraschung und ja, es wäre unsere Stammkneipe, lebten wir nicht in Beuel. Aber auch so kommen wir auf jeden Fall wieder!

Deshalb unsere Meinung: Tolle Mischung aus altem Charme und jungem Flair – hingehen!

Testtag: Mittwoch

Fass: Reissdorf, Bitburger

Flasche: Erdinger

Besonderheiten: Wunderbar dekorierte old-school Kneipe für Freunde stimmiger Kneipendeko, außerdem toller Service!

Internet: — (es gibt angeblich eine Internetseite, aber wir konnten sie nicht finden)

2 Gedanken zu „Rien ne va plus/ Bad Godesberg/ Friedrichallee

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