P&M Getränke: Das Bonner Bierparadies mit einem Herz für Biervielfalt

In Bonn-Friesdorf gibt es unweit des Haribo-Werksverkaufs einen Getränkehändler, der anders ist als alles, was wir in diesem Bereich bereits gesehen haben: Wer den P&M-Getränkemarkt in Bonn von außen sieht, erwartet hinter der nur knapp vier Meter messenden Fassade einen eher kleinen Markt. Wer das Geschäft betritt, wird allerdings aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Bei P&M werden ganz offensichtlich nur handverlesene Produkte in unzählbarer Auswahl angeboten – das Geschäftsinnere quillt förmlich über vor Regalen und Kisten mit Produkten von A bis Z. Hier scheint es einfach alles zu geben! Das gilt auch für die Bierabteilung, die den Schwerpunkt des Marktes bildet: über 250 Biere aus fast 150 Brauereien – auf die Zahl genau konnte das nicht einmal unser Interviewpartner ganz genau beziffern – und darunter fast keines, das in den Pausen der Sportschau beworben wird. Will heißen: mehrheitlich speziell ausgesuchte Biere mittlerer und kleiner Brauereien. Grund genug für uns, im kleinen, aber authentischen Büro des Marktes mit einem der Juniorchefs über Bier zu sprechen, nämlich mit Thomas Görtz.

P&M Getränke Bonn

Eine unscheinbare Fassade, hinter der sich eine unglaubliche Auswahl verbirgt


We love Pubs: Lieber Herr Görtz, mögen Sie sich und Ihr Geschäft kurz vorstellen?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Sehr gerne! Gemeinsam mit meinem Bruder Markus und natürlich vor allem mit unserem Vater Manfred Görtz führen wir P&M Getränke. P&M besteht schon seit 1974 und war anfangs eine reine Weinhandlung, unsere Familie hat dann 1986 übernommen und nach und nach das Biersortiment, aber auch andere Getränke – viele neue Weine, Sekt, Säfte, Limonaden etc. – ins Programm aufgenommen. Unser Vater betreut vor allem die Weine, mein Bruder kümmert sich um die kleinen Brauer in Süddeutschland und ich versuche den internationalen Markt, vor allem den Craftbeer-Markt im Blick zu behalten. Mittlerweile bilden die Biere sicherlich einen Schwerpunkt unseres Geschäfts – und deshalb sind Sie ja auch zu uns gekommen! (lacht) Wir sind dabei kein ausliefernder Handel für die Gastronomie, oder zumindest nur in sehr geringem Ausmaß, sondern ein echter Getränkehandel, den der Bonner Einzelkunde für seine täglichen Getränke aufsuchen kann. Wobei wir natürlich auch Kunden von viel weiter her haben.

P&M Getränke Bonn  P&M Getränke Bonn

Wir hatten ja vorhin im Laden schon kurz über die vielen Biere im Sortiment gesprochen. Die Idee ist uns teils als Bierliebhaber gekommen – Helles aus Bayern vertreiben wir schon fast seit der ersten Stunde, also deutlich vor dem aktuellen Trend – aber teils auch aus einem Zwang zur Spezialisierung: wissen Sie, es gibt so viele Getränkemärkte und große Getränkeketten alleine in Bonn, da können wir als Einzelhändler eigentlich nur anders sein, um einen Platz zu finden. Angriff ist nun einmal die beste Verteidigung: das Neue suchen, das Sortiment ausbauen, das haben, was andere nicht haben. Deshalb führen wir auch keine Massenware. Überteuerte Durchschnittsbiere einiger Großbrauereien haben wir bewusst aus dem Programm genommen, denn die finden Sie auch überall anderswo.

We love Pubs: Sie sagen es schon – uns interessiert natürlich vor allem Ihre Bierauswahl. Sie bieten Produkte abseits des Mainstream an. Wie finden Sie die Brauereien und wie treten Sie an sie heran? Und wo liegen die Schwierigkeiten – für manch eine Familienbrauerei in Süddeutschland mag es ja eher ungewöhnlich sein, auch im Rheinland zu verkaufen.

Thomas Görtz (P&M Getränke): Das stimmt, das ist nicht immer leicht, vor allem hinsichtlich unserer vielen fränkischen Biere, die mein Bruder betreut – die Franken sind ja wirklich nett, aber halt auch nicht immer ganz einfach! (es folgt ein herzliches Lachen, das offensichtlich auf Erfahrung beruht) Aber es stimmt schon, wer gezielt kleinere Brauereien aus anderen Gegenden anspricht, der stößt auf Probleme. Da wäre zuerst einmal der Pfand, für den es bei den Kleinbrauern keinen zentralen Verteiler gibt. Also fragt uns der fränkische Familienbetrieb natürlich, wie die Kisten zurückkommen. Letztendlich läuft es dann oft so, dass wir selber hinfahren, alles holen und auch zurückbringen.

Aber die Arbeit mit kleinen Brauereien bietet natürlich auch viele Vorteile und schöne Erlebnisse, insbesondere den ganz besonderen, oft freundschaftlich bis familiären Kontakt zu den Brauereien. Wenn man da einmal mit am Tisch sitzen darf, dann gehört man dazu. Und über solche Kontakte finden wir auch neue Biere und Brauereien, weil der eine hier und der andere dort etwas empfiehl. Teilweise empfehlen uns aber auch unsere eigenen Kunden Biere, die sie z.B. im Urlaub in Süddeutschland kennengelernt haben. Waldhaus aus dem Schwarzwald ist so ein Beispiel, das hatten wir lange gar nicht im Blick. Beim Schwarzwald denkt man je zurzeit fast automatisch an Rothaus und deren Tannzäpfle, aber ein Kunde, der aus der Gegend stammt, stand irgendwann im Laden und sage: also, Rothaus ist ja gut und schön, aber bei uns im Ort trinken wir immer Waldhaus, das ist viel besser. Also haben wir uns erstmal eine Kiste vom Kunden mitbringen lassen, selbst probiert, Freunde und andere Kunden probieren lassen und sind dann runter in den Schwarzwald gefahren.

We love Pubs: Würden Sie sich denn mit Ihrem Weg, kleine Brauer in den Mittelpunkt zu stellen, als Exot bezeichnen oder könnte der Trend in diese Richtung gehen?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Nun ja, eigentlich ist der Weg, sich vom Mainstream abzuwenden, fast schon selber Mainstream. Mittlerweile finden Sie in jeder deutschen Großstadt einen Händler, der sich den Kleinen verschrieben hat. Aber für Bonn ist es natürlich noch selten. Aber es ist ja schön, dass sich immer mehr Händler für Vielfalt öffnen. Dennoch wird sich der deutsche Biermarkt nicht gänzlich umkrempeln lassen.

Der Biertrinker in Deutschland trinkt ja häufig auch aus Gewohnheit. Zu uns kommen aber vor allem Kunden, die ich eher als Genusstrinker als besondern experimentierfreudig bezeichnen würde. Man kann ein Bier ja auch wie Wein konsumieren: langsamer, genussvoller, sich auf jedes Produkt neu einlassen und sich auch gerne überraschen lassen. Aber das wird vermutlich immer eine Nische bleiben. Ein gutes Beispiel für diese Art Bier zu trinken ist übrigens Chimay aus Belgien – ein Champagner unter den Bieren, das tatsächlich mit längerer Lagerung immer besser wird. Aber darauf lässt sich natürlich nicht jeder ein.

Bonn guter Getränkemarkt Tipp P&M Getränke Craft Beer große Bierauswahl

We love Pubs: Zurzeit ist Craftbeer ein europaweiter Trend. Trotz aller Unbestimmtheit, was eigentlich genau ein Craftbeer ist (Anmerkung: wir schrieben darüber bereits in einem OFF TOPIC), erobern die Crafts auch in Bonn langsam den Markt. Wie schätzen Sie die Marktfähigkeit des Craftbeer ein?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Puh, schwer zu sagen. Maximal fünf bis zehn Prozent des Gesamtmarktes. Bier ist in Deutschland wenig Genussmittel. Ich sagte ja: Biertrinker, die sich wie Weintrinker Zeit lassen, die sind eher selten.

Und Bonner Kneipen: da besteht natürlich oft eine Brauereibindung – eine deutsche Eigenart und Unart. Das gibt es sonst nur in England und selbst die haben es jetzt gekippt. Sie binden sich als Wirt an eine Brauerei und dürfen dann nur deren Sortiment führen. Da haben es die kleinen Brauer natürlich schwer. Darüber hinaus zählt der Prophet im eigenen Lande oft nichts – nehmen Sie Fritz Wülfing und sein Ale Mania: in Berlin ein Star, in Bonn nur in einer Kneipe vertreten. Oder Bischoff Kölsch aus Brühl, weil Sie es vorhin ansprachen: das hatten wir mal in unserem Sortiment, wird aber leider wenig gefragt. Der deutsche Biertrinker trinkt einfach gerne das, was er schon immer kennt. Oder er wählt das, was er im Urlaub, z.B. in Süddeutschland kennengelernt hat und nun auch hier möchte, deshalb laufen unsere Hellen und die fränkischen Biere ja auch so gut. Aber das kleine Kölsch aus Brühl? Das hat es schwer! Bei Ale Mania ist das etwas anders, das kommt und dafür fahren Kunden auch extra zu uns.

Aber man muss auch feststellen, dass ein Craftbeer auch für den Wirt nicht unbedingt toll ist. Der Wirt freut sich, wenn der Gast acht Kölsch trinkt. Aber Craftbeer trinkt man langsamer, genussvoller. Da bestellt der Gast vielleicht nur zwei Flaschen und blockiert damit stundenlang einen Tisch. Und vom teureren Preis des Caftbeers kommt beim Wirt ja nicht mehr an als beim Kölsch aus der Großbrauerei, das Craftbeer ist ja aufgrund der Verarbeitung und der Zutaten, vor allem durch den Mehrgehalt an teurem Hopfen, so hochpreisig. Aber der Trend zum Bier als Genussmittel könnte kommen, die Frage ist nur wann…

(hier schaltet sich kurz Markus Görtz, der Bruder in das Gespräch ein): Vielleicht fehlt auch einfach ein Wirt, der mal den Mut hat, dass wirklich konsequent durchzuziehen! (jetzt entbrennt eine kleine Fachdiskussion unter Brüdern, an der vor allem eins deutlich wird: hier beschäftigt sich jemand intensiv mit dem Produkt, das er verkauft!)

Bonn guter Getränkemarkt Tipp P&M Getränke Craft Beer große Bierauswahl

We love Pubs: Auch die großen Brauereien versuchen sich mittlerweile im Bereich des Craftbeer, so z.B. Beck`s mit einer Sonderedition, ebenso Duckstein und Maisel. Bereichert das aus Ihrer Sicht den Craftbeer-Markt oder schadet es eher? Und kann das überhaupt klappen, handwerkliches Bier aus industrieller Massenproduktion?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Das stimmt, das wird versucht. Aber das ist dann eigentlich ein ganz anderes Produkt, Industrieproduktion und Craftbeer, das geht tatsächlich nicht, das steckt ja schon im Namen „craft“. Was Sie „die Großen“ nennen, die produzieren auch gar nicht für den Gastrobereich oder den Wirt, der ein besonderes Bier anbieten will, die produzieren auch Craftbeer in Masse, damit sie im Handel Masse verkaufen können. Dadurch wird der Geschmack des Bieres natürlich dem vermuteten Durchschnittsgeschmack angepasst. Und damit wird natürlich wieder alles eingeebnet und verwässert (man merkt, dass sich Thomas Görtz hier in Rage redet – hier spricht jemand, dem Vielfalt am Herzen liegt).

Aber Sie hatten vorhin im Laden auch nach der Brauerei Schneider gefragt. Die sind wirklich anders, aber auch immer noch ein Familienunternehmen. Hier wird experimentiert und wenn es gut schmeckt darf ein Bier auch mal mehrere Monate im Barriquefass reifen. Und das darf dann auch mal mehr kosten – Bier für experimentierfreudige Kunden eben, für Genießer.

We love Pubs: Bleiben wir kurz bei den Großbrauereien. Zum Teil wird eine Kiste Pilsener in Deutschland für unter 5,- Euro angeboten. Über 15,- Euro empfindet der deutsche Kunde als sehr teuer. Warum können die Großen derartig günstig anbieten und haben die Crafts da überhaupt eine Chance?

Thomas Görzt (P&M Getränke): Eigentlich könnte jedes Bier, das industriell hergestellt wird, in Deutschland für 5,- Euro verkauft werden. Ok, das ist ein wenig übertreiben, aber im Grundsatz richtig. Denn eigentlich teuer werden die Industriebiere durch die Werbung. Wenn ich vor der Champions League eine Einblendung habe, dann will die natürlich ebenso bezahlt werden wie der Schauspieler, der für mich wirbt. Die Zutaten sind bei den Industriebieren eher nicht der Faktor, die werden in Masse eingekauft und der teure Hopfen ohnehin nur noch spärlich verwendet. Das kann die kleine Brauerei, die in einem Bier drei Hopfensorten verarbeitet und davon jeweils nur Mini-Mengen bestellt, natürlich nicht. Einen anderen Weg geht übrigens Öttinger: fast keine Werbung, eigener Auslieferfuhrpark. Deshalb ist hier der Preis eigentlich gar nicht so ein negatives Merkmal, wenn man ihn mit den anderen Industriebieren vergleicht.

Die großen Brauereien haben übrigens noch einen ganz anderen Vorteil gegenüber den Kleinen: sie sind für den Kunden verlässlich, jedes Bier schmeckt gleich, das ist ja die logische Folge aus maschinisierter Industrieproduktion. Bei einem handwerklich produzierten Bier gibt es natürlich Schwankungen, einmal mehr oder weniger Kohlensäure, ein anderes mal ist eine Charge mal etwas bitterer… per Hand arbeitet es sich halt minimal ungenau. Mit solchen Bieren muss man sich also als Kunde mehr beschäftigen, mit jedem einzelnen Bier. Dazu zwingt Craftbeer im positiven Sinne.

We love Pubs: Damit sind wir schon fast am Ende unserer Fragen, blieben zum Schluss noch einige Geheimtipps: Haben Sie persönliche einen oder mehrere lokale Bier-Favoriten hier im Köln-Bonner Raum – egal ob Craftbeer oder nicht?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Das ist einfach. Ale Mania von Fritz Wülfing, ich hatte es ja schon mehrfach als Positivbeispiel genannt. Fritz braut nicht nur super Biere, der hat auch noch so viele Ideen und so viel Wissen im Kopf und ist einfach ein unglaublich netter Typ.

We love Pubs: Die wichtigste Frage ganz zum Schluss: ihr Lieblingsbier ist…

Thomas Görtz (P&M Getränke): Immer das Bier vor mir! Es gibt so viele leckere Biere, da lässt sich keines hervorheben. Das Bier muss zu Situation und zur Stimmung passen. Und jedes Bier sollte einzigartig sein.


Die kleine Kommandozentrale und unser Interviewpartner mit einem Geheimtipp

Und das sagen wir zu P&M Getränke Bonn: Man wird unserem Vorbericht schon angemerkt haben, dass wir restlos begeistert sind. Deshalb hatten wir P&M ja auch schon in unserem Bonner-Getränkemärkte-Ranking auf eins gesetzt. Eine solchen Getränkemarkt mit so einer schier unfassbaren Auswahl in allen Bereichen muss man einfach lieben (unserer Bericht hat einen klaren Bier-Schwerpunkt, aber bei P&M sehen auch die Weine, Säfte, Wässer, Limonaden und Spirituosen so aus, als sei hier jede Flasche mit Bedacht gewählt). Außerdem merkte man im Interview Thomas Görtz und seinem Bruder Markus an, dass beide ihre Profession mit Herzblut ausüben. Oder, wie Thomas Görtz selber sagte: „Wir lieben einfach Bier!“

Deshalb unsere Meinung: hingehen, beraten lassen! Denn ehrlich, kein Mensch kann die endlos vielen Biere bei P&M in Bonn-Friesdorf selber überblicken, aber im Stile des Familienunternehmens wird hier gerne und fachmännisch beraten. Und nicht ärgern, wenn es gewohnte Produkte der Großbrauereien nicht gibt – versprochen, es findet sich bestimmt etwas viel besseres im Sortiment!

Hier auch der Link zur Homepage von P&M Getränke Bonn. Geht auf jeden Fall mal hin und guckt euch diesen positiv-verrückten Getränkewahnsinn an und lasst euch beraten!


PS: aus Gründen der Rechtschaffenheit möchten wir darauf hinweisen, dass die beiden Brüder Görtz uns am Ende des Interviews nicht gehen ließen, ohne uns einen weiteren Geheimtipp kostenlos mit auf den Weg zu geben, nämlich einige Flaschen Mönchsambacher – das auch wirklich toll ist! Das ist in unsere Bewertung nicht eingeflossen. Das vorliegende Interview haben wir handschriftlich mitgeschrieben, aber hinterher stellenweise aus inhaltlichen und schriftsprachlichen Gründen angepasst, so dass der Wortlaut teils verändert ist. Vorliegende Fassung wurde von Thomas Görtz autorisiert.

5 Gedanken zu „P&M Getränke: Das Bonner Bierparadies mit einem Herz für Biervielfalt

  1. Danke für das ausführliche und interessante Interview. Gestern waren wir zum ersten Mal dort, und auch wenn es kein dunkles Radler gibt, ist der Laden auf jeden Fall zu empfehlen. Allerdings liegt der Getränkemarkt nicht in Friesdorf, sondern in Godesberg-Nord (auch wenn auf deren Website das Gegenteil steht).

    1. Schade mit dem dunklen Radler! Aber auf jeden Fall vielen Dank für die Stadtteil-Berichtigung! Wir leben ja nun schon recht lange in Bonn (seit 1999 übrigens, aber das nur am Rande), aber die Stadtteilgrenzen zu bestimmen fällt uns immer noch schwer, gerade in den Grenzgebieten zwischen zwei Stadtteilen…

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