Kettenfett: das Likör-Startup mit Bonner Wurzeln. Ein Interview mit den Machern

Kennt ihr Kettenfett? Das ist ein neuer Lakritzschnaps – pardon, Likör! – mit 25% Prozent, den ihr seit einigen Monaten in Bonner und Kölner Kneipen trinken könnt. Erfunden wurde das schwarze Gold von drei Wahl-Rheinländern, Benjamin, Jens und Matthes. Letzterer hat unsere schöne Bonner Universität besucht und Geschichte und Musikwissenschaften studiert. Grund genug für uns, einmal mit den Machern zu sprechen. Dazu haben wir uns mit Matthes Schauerte im „Scheuen Reh“ in Köln getroffen.

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Die drei Macher von Kettenfett (offizielles Photo, nicht während des Interviews entstanden)


We love Pubs: Matthes, magst Du Dich und euer Produkt kurz vorstellen?

Matthes von Kettenfett: Klar! Ich heiße Matthes Schauerte, bin 32 Jahre alt, meine beiden Mitstreiter sind 34, und alle drei kommen wir gebürtig aus dem Sauerland. Jensen und Benjamin kenne ich schon seit Kindertagen. Als Geschichtsstudent stellt man sich natürlich immer die Frage, was man mal werden soll, und eigentlich gibt es da ja nur drei Optionen: Lehrer, Taxifahrer oder Likör! [jetzt müsste man eigentlich Matthes verschmitzten Blick beschreiben, das ist aber fast unmöglich…]. Ich bin jetzt bei uns für den Vertrieb zuständig, mache also das „Social Fettworking” für Kettenfett [lacht].

[während Matthes erzählt, hat ihn der Kellner auch schon erkannt und bringt auf kurzen Blickkontakt hin auch gleich eine Runde Kettenfett mit passendem Bierdeckel]

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We love Pubs: Ihr seid ein Trio – wie seid ihr auf die Kettenfett-Idee gekommen und wie lange habt ihr an der Umsetzung getüftelt?

Matthes von Kettenfett: Das war eine Art Optimierungsprozess beim eigenen Trinken [lacht]. Nein, wir drei mögen als Sauerländer natürlich den Schnaps zum Bier. Dann haben wir auf einer Party einen Finnen getroffen, der ein sau-leckeres finnisches Zeug mit Lakritz dabei hatte. Da dachten wir uns: das können wir auch! Die Idee war direkt, ein erdiges Ding zu machen, irgendwas Bodenständiges zu Kneipe und Bier. Möglichst rockig. So entstand auch der Name: Kettenfett. Denn das schwarz-ölige Lakritz sollte natürlich rein, wegen dem Finnen-Vorbild. Also haben wir uns kurz darauf erstmal in die Supermärkte gestürzt und versucht, die Rezeptur von Lakritzpackungen zu verstehen, um selbst einen Schnaps anzusetzen. Das hat natürlich nicht geklappt, aber unser Ehrgeiz war geweckt und dann sind wir Schritt für Schritt professioneller geworden, haben gezielt die Grundzutaten eingekauft – in unseren kleinen Mengen gar nicht so einfach! – und privat gemischt und getrunken. Das gab einige lustige Abende! Irgendwann waren wir so angefixt von unserer Idee, dass wir keine zwanzig Sekunden auf einer Party sein konnten ohne über Schnaps und Kettenfett zu sprechen. Da war es gut, dass wir uns schon so lange kennen und befreundet sind. Immerhin haben wir fünf Jahre gearbeitet und unseren gesamten Freundeskreis immer wieder mit unseren Ideen genervt. Ich glaube, am Ende hat von denen keiner mehr daran geglaubt, dass das jemals was wird mit unserem Getränk. Umso cooler war es dann, als wir nach fünf Jahren die erste Charge unserer eigenen Flaschen – wir haben ja auch das Etikett und alles selbst entworfen – in der Hand hatten.

We love Pubs: Kettenfett ist mit 25% ein Likör – im ersten Augenblick klingt das eher old school und nicht nach einem hippen Getränk für junge Leute. Warum habt ihr euch dennoch für einen Likör und nicht für Schnaps entschieden?

Matthes von Kettenfett: Da hatten wir eigentlich keine Wahl, der Zuckergehalt bestimmt die Kennzeichnung und der musste für die Lakritzmischung halt rein. Aber wir wollten ja auch eine Art Süßigkeit als Shot produzieren und keinen klaren Schnaps. Außerdem gleicht der Zucker die salzige Note aus, die wir unbedingt drin haben wollten. Auch die Bezeichnung „extra stark“ auf der Flasche fällt unter die Deklarierungspflicht, ebenso der Begriff „Erwachsenenlakritz“, das sind alles festgelegte Begriffe. Und wenn Kettenfett nicht Erwachsenenlakritz ist, dann weiß ich auch nicht! [jetzt bestellt Mathes lachend noch kurz ne Runde nach, der Zeitpunkt ist auch günstig]

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We love Pubs: Stichwort Reglementierung – wie viele juristische Hürden gab es zu überspringen und wo lagen die Schwierigkeiten?

Matthes von Kettenfett [seufzt]: Das war tatsächlich nicht immer leicht, im Lebensmittelbereich ist alles geregelt und um sich da zu Recht zu finden, bedarf es schon einiger Anstrengung. Das Etikett zum Beispiel: Größe, Informationen, Anordnung, Charge, Losnummer, das ist alles festgelegt. Also haben wir fleißig eigene Entwürfe gebastelt und dann eingeschickt. Da war ja fast klar, dass erstmal irgendwas nicht passte und da sagt das Amt dann: tut uns leid, bitte neu. Kostet dann aber trotzdem 300 Euro für die Bearbeitung. Das hat uns natürlich auch immer wieder den Wind aus den Segeln genommen und auch Kosten verursacht, aber für unser Ziel haben wir uns immer wieder zusammen gefunden und es war ein unglaublicher Lernprozess für uns alle. Einerseits hatten wir coole Ideen – die Flasche z.B., da haben wir ewig gesucht, x Flaschen getestet – andererseits muss das alles amtlich passen. So wollten wir ursprünglich passend zum Namen, den wir uns zusammen mit dem Label ganz früh gesichert haben, auf Industriedesign in Dosen machen, das war aber mit Beschichtungsbestimmungen etc. viel zu aufwendig. Dann erst kam uns die Idee mit der Apothekerflasche [Anmerkung: die kleine, bauchige 0,5 Liter-Flasche ist wirklich ein Highlight!]. Und natürlich das Lebensmittelrecht. Da war uns schnell klar: in der eigenen Küche geht das nicht…

We love Pubs: Super Überleitung! Ein Hauptproblem dürfte ein geeigneter Produktionsort gewesen sein. Die Anfänge lagen in der eigenen Küche? Und wie seid ihr dann umgestiegen?

Matthes von Kettenfett: Klar, erstmal haben wir klassisch in der Küche vom Jensen wild ausprobiert und immer mehr an der Rezeptur gefeilt. Aus der eigenen Küche sind wir nach einer Testphase, in der nur wir und enge Freunde Probekoster waren, ganz schnell raus und haben uns einen Lohnabfüller gesucht. Der Produziert nach unseren Vorgaben und nach unserem Rezept – das natürlich geheim bleibt!

Unsere eigenen Aufgabenbereiche – Design, Marketing, Vertrieb, Verwaltung etc. – die haben wir immer dezentral in unseren eigenen Wohnungen bearbeitet und uns dann ein bis zweimal die Woche getroffen, um uns auszutauschen. Und nachdem das Produkt mit der Rezeptur jetzt steht, treffen wir uns immer noch wöchentlich. So ein Meeting dauert dann schon mal sieben bis acht Stunden!

We love Pubs: Wie leicht oder schwer war es für euch, Kneipen und Getränkemärkte vom Kettenfett zu überzeugen?

Matthes von Kettenfett: Wir haben in Bonn angefangen, weil ich dort die Kneipenlandschaft gut kenne und ja unseren Vertrieb mache. Außerdem ist Bonn etwas kneipiger und weniger clubbig als Köln, das passte erstmal gut zum Kettenfett. Unser erster Laden war übrigens die Studikneipe. Die Reaktionen waren auch fast immer positiv, nur zwei Wirte waren wirklich abgeneigt. Aber das ist ok, die Kneipe muss ja auch Bock auf uns haben, also Bock auf Neues. Sonst lassen wir`s halt. Wir wollen ja keinem was aufdrücken. Aber das waren Ausnahmen. Die allermeisten Kneipiers sagen: klar, kommt vorbei, stellt mal vor. Da lernen wir dann auch die Kneipenwirte ganz anders kennen, als Geschäftspartner. Und mittlerweile melden sich die Wirte auch bei uns und wollen unser FETT von sich aus, obwohl wir erst seit November dabei sind. Übrigens läuft dabei das Sauerland besonders gut – [lacht] passt ja auch, da hatte jeder schon mal ne echte Kette in der Hand. Im Dezember haben die uns richtig trocken gesoffen und im Januar musste schon die zweite Charge her.

We love Pubs: Wohin soll die Reise mittelfristig gehen – plant ihr hauptberuflich zu produzieren oder bleibt es Hobby?

Matthes von Kettenfett [lacht wieder herzhaft]: Irgendwo zwischen Likör-Imperium und Weltherrschaft liegt das Ziel! Na ja, vermutlich gibt es da zwei Szenarien: das Ding geht durch die Decke und wir können irgendwann davon leben. Oder wir fahren es gegen die Wand, das wäre natürlich blöd. Aber auch dann hätten wir viel gelernt. Zurzeit hoffen wir natürlich noch auf das Likör-Imperium, aber wir müssen alle nebenbei noch normal arbeiten. Aber für Kettenfett rödeln wir rund um die Uhr. Wir glauben aber, das zahlt sich aus und man merkt uns an, dass Begeisterung drinsteckt [Anmerkung: auf jeden Fall – Matthes lebt sein Produkt und spürt man im Interview in jedem Satz!]. Ist halt unser Baby. Damit es nach dem guten Start weiterläuft machen wir natürlich Werbung. So haben wir Bierdeckel, Aufkleber und Holzaufsteller mit eigenem Siebdruck-Design, alles selbst entworfen. Meine Mama – sowieso der größte Fan – hat sogar einen Kleber auf ihrem Auto – würde sie sonst nie machen! Natürlich sind wir bei Facebook und Instagram. Und es gibt sogar Leute, die in Eigenaktion unsere Aufkleber weltweit an prominenten Plätzen anbringen und die Bilder hochladen.

Ansonsten wollen wir unabhängig bleiben, das ist uns wichtig. Ich möchte nicht, dass mir irgendwann irgendwer reinredet. Außerdem wollen wir auf dem Teppich bleiben. Ein High-End-Edelgesöff sind wir halt nicht, wir sind eher bodenständig. Deshalb machen wir ja auch alles selbst. So wollen wir authentisch bleiben, das ist uns auch wichtig. Wir imitieren ja auch nichts. Natürlich könnten wir uns vorstellen, dass Kettenfett z.B. in Biker-Kreisen gut ankommt, aber ich stell mich ja nicht auf eine Rocker-Messe und mach auf harten Rocker, das bin ich ja nicht, mehr als Mofa ist bei uns Dreien nicht drin und das nähme man uns auch nicht ab. Wir hoffen, dass uns das glaubwürdig macht [Anmerkung: auf jeden Fall! Mathes schlägt zu unseren Interview z.B. mit Basecap und Dreitagebart auf, flezt sich gemütlich in die Sessel im „Scheuen Reh“ und erzählt frei von der Leber und mit spürbarer Begeisterung – absolut authentisch!]. Woran wir aber arbeiten, das ist ein kleineres Flaschenformat für die Kioske, also Richtung Shot aus der Flasche. Und in den Pott könnte es verstärkt gehen, da passt Kettenfett einfach hin!

We love Pubs: Die wichtigste Frage ganz zum Schluss: Kölsch oder Pils?

Matthes von Kettenfett [ohne zu überlegen]: Da ist die Antwort natürlich Kettenfett!

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Sieht auch in unserer privaten Minibar gut aus: Kettenfett


Und das sagen wir zu Kettenfett: natürlich gibt es im „Scheuen Reh” auch Kettenfett – in diesen Bonner Kneipen übrigens auch. Also konnten wir parallel zum Interview probieren und müssen sagen: es ist echt gut geworden. Uns wurde das schwarze Gold kalt serviert, so dass es etwas dickflüssiger die Kehle hinunter läuft. Matthes selber empfiehlt jedoch die Variante bei Zimmertemperatur, die wir uns auch sehr gut vorstellen können, denn Kettenfett braucht keine Abkühlung, die ja oft der Geschmacksentschärfung dient. Trotz 25% schmeckt man den Alkohol angenehm dezent heraus. Dennoch würden wir es mit seiner salzigen Note als Männergetränk sehen, das gut zum Bier passt – klassisches Herrengedeck halt. Positiv gefällt uns, dass das Bier und Kettenfett wirklich harmonieren, das Bier also nicht dem Wegspülen eines unangenehmen Nachgeschmacks dient. Natürlich haben wir direkt den Freundinnen-Test gemacht und waren überrascht: Kettenfett ist keinesfalls ein reiner Drink für harte Männer, sondern kommt auch bei Frauen gut an. Während wir Männer anscheinend vor allem den salzig-dickflüssigen Touch wahrnehmen, sorgt das Lakritz bei Frauen für das Gefühl einer trinkbaren Süßigkeit. Also ganz klar ein Getränk für sie und ihn. Außerdem ist die 0,5-Lier-Apothekerflasche echt ein Hingucker für jede Minibar und der Preis von 14,99 (im Onlineshop) absolut fair.

Also, Jungs, wir drücken euch fett die Daumen – ist echt ein sau geiles Zeug geworden!


PS: aus Gründen der Rechtschaffenheit möchten wir darauf hinweisen, dass Matthes uns am Ende des Interviews eine Flasche Kettenfett schenkte. Das ist in unsere Bewertung nicht eingeflossen. Und um nicht als käufliche Berichterstatter zu gelten, haben wir dafür das Bier bezahlt… 🙂 Das vorliegende Interview haben wir handschriftlich mitgeschrieben, aber stellenweise aus inhaltlichen und schriftsprachlichen Gründen angepasst, so dass der Wortlaut teils verändert ist. Vorliegende Fassung wurde von Matthes Schauerte autorisiert.

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