Zum Gequetschten/ Zentrum/ Sternstraße

Brauhäuser ohne echten Braubetrieb halte ich ja nach wie vor für ein großes Paradoxon im Rheinland – aber ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass große, gutbürgerliche Gaststätten mit deftiger rheinischer Küche und noch deftigerem rheinischen Köbes (liebe Nicht-Rheinländer: das heißt Kellner) so genannt werden. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Das rheinische Brauhaus-Ambiente gefällt mir sehr!

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Das Brauhaus „Zum Gequetschten“ in Bonn an der Ecke Sternstraße/ Friedensplatz passt vollkommen in dieses Bild und nennt sich auch gleich ganz unbescheiden „Bonns jüngstes Brauhaus mit der ältesten Tradition“. Dieses weitere Paradox löst sich durch die mehrfachen Namenswechsel seit dem frühen 17. Jahrhundert (ja, wirklich, kein Tippfehler!) sowie durch Besitzerwechsel. Seit 1850 heißt das Lokal dennoch durchgehend „Zum Gequetschten“ und bietet seither vielen Bonner Karnevalsvereinen Quartier – wer hier einkehrt, befindet sich in einer absoluten Karnevalshochburg und während der Bonner Session drängen sich hier die Jecken.

Stichwort drängen: Das Lokal führt seinen Namen nicht, weil es vielleicht eng und gedrängt wirkt – der Name rührt vom gedrängten Abstellen von Prozessionskreuzen in früheren Zeiten her.

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Ich habe den Test an einem Sonntagabend genutzt, um meinen aus Norddeutschland angereisten Eltern rheinische Küche und Brauhaustradition zu präsentieren. Und dazu eignet sich der „Gequetschte“ wunderbar: Die Speisekarte bietet rheinische Klassiker, aber auch Schnitzelgerichte und Steaks. Dazu werden zwei Kölsch (Peters und Gilden) ausgeschenkt, von denen letzteres nicht überall erhältlich ist. Es gibt aber auch ein herbes Pils (Jever) und ein Weizen (Schöfferhofer) und natürlich auch alle anderen Getränke, darunter auch eine sehenswerte Weinkarte – man muss trotz des Brauhaus-Charakters also nicht beim Bier bleiben.

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Der Gast muss allerdings nicht nur zwischen zwei Kölschsorten wählen, sondern auch zwischen zwei Eingängen: direkt nach dem Haupteingang trennt sich das Lokal in einen Schankraum um die Theke (die Schwemme) und in das eigentliche Restaurant. Beide sind durch eine dünne Holzwand mit schönen Bleiglasfenstern getrennt, der Durchgang ist jedoch auch im Inneren möglich. Zwar erlebt man so als speisender Gast nicht den herrlichen Thekentrubel, kann aber andererseits ruhiger essen – für einen elterlichen Besuch nicht schlecht.

Beide Räume bestehen aus einer dunklen Holzvertäfelung, in die alte, blau-weiß gemusterte Porzellankacheln eingelassen sind. Dadurch ist die Atmosphäre nicht zu dunkel und die Kachelung sorgt für ein gediegenes Ambiente. Dem entgegen steht zwar, dass das Holz an vielen Stellen abgewetzt ist (der Karneval hat seine Spuren hinterlassen…), das Gesamtbild wirkt so jedoch urig und traditionell. Ich finde, dass gerade die Kacheln mit ihren Mustern und Inschriften dem „Gequetschten“ einen einzigartigen Charme verleihen.

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Dazu passt auch das Auftreten der – wie es sich im Rheinland gehört – ausschließlich männlichen Köbesse (liebe Nicht-Rheinländer: das ist der Plural von Köbes, also Kellner): weiß beschürzt führen sie die frech-derbe rheinische Mundart dieses Berufs (liebe Nicht-Rheinländer: bitte davon nicht abschrecken lassen oder sich gar beschweren – das gehört zur Tradition und ist Teil des rheinischen Wohlfühl-Faktors).

Es mag nun also so klingen, als hätte mein Besuch keine Wünsche offen gelassen. Das stimmt nicht ganz, minimale Stilkritik müssen wir üben: Plastikblumen auf Tischen finde ich auch in Brauhäusern unschön und die Raumdekoration – also die Bebilderung und die ausgestellten Siphons und Krüge – ist zwar alt und größtenteils rheinisch, hat aber kaum direkten Bezug zum Haus. Schade, so hätte sich der sonst stimmige Gesamtcharakter aus mit Hausemblem bedruckten Tellern und Servietten abrunden lassen.

Aber das ist Detailkritik und der „Gequetschte“ ist wirklich ein schönes Braushaus im Bonner Zentrum, dessen Besuch lohnt. Würde hier noch eigenes Bier gebraut, wie bis 1985 der Fall, wäre ich zwar noch begeisterter, aber auch so ist…

…meine Meinung: Sehr charmante Brauhaus-Atmosphäre (und zufriedene Eltern!)

Testtag: Sonntag (…und immer mal wieder an Karneval)

Fass: Gilden, Peters, Jever

Flasche: Schöfferhofer

Besonderheiten: Karnevalshochburg in Bonn (Schilder über dem Eingang beachten!)

Internet: www.bredderbud.de

PS: Bevor obige Zeilen anderes suggerieren, sei angemerkt, dass der Autor dieser Zeilen selber nur Wahl-Rheinländer ist, aber das Wesen und Sein seiner Wahlheimat bereits seit dem vergangenen Jahrtausend studiert…

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