Was ist ein gutes Bier? Ein Plädoyer für die Vielfalt

Heute wagen wir uns einmal auf vermintes Terrain und fragen ganz banal: wann ist ein Bier ein gutes Bier? Klar, die einfachste Antwort ist wie so oft auch die treffendste: wenn es schmeckt! Dabei ist und bleibt Geschmack individuell und jeder muss selber entscheiden, was nun sein oder ihr Lieblingsbier ist – häufig hat das ja auch etwas mit regionalen Gepflogenheiten und ersten Trinkgewohnheiten zu tun. Wir fühlen uns z.B. bis heute bei jedem Glas Rolinck (aus Steinfurt im Münsterland) an unser erstes Schützenfest und die netten Mädels dort erinnert und diese wohlige Erinnerung lässt das ohnehin schon lecker herbe Pils noch leckerer werden.

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Biervielfalt aus der Flasche – Bier ist mehr als Einheits-Pils!

Aber im Sinne dieses Blogs wollen wir eher die Frage nach Biervielfalt klären. Denn Bier kann so viel mehr, als ein Blick in die deutsche Brauereilandschaft vermuten lässt: Bittereinheiten, verschiedene Hopfensorten oder gar hopfengestopft, viel oder wenig Malz – Bier kann so anders sein als das gängige Pils oder Kölsch. Damit wir uns nicht falsch verstehen: wir sind große Freunde eines guten Pilsbieres oder eines leckeren Kölsch. Aber die Bandbreite an Geschmack lässt in Deutschland immer mehr nach.

Stichwort Hopfen: Warum eigentlich immer Hallertauer, wie er mehrheitlich in Deutschland verwendet wird? Warum nicht aus der Vielfalt der Hopfensorten schöpfen und trotzdem gemäß dem Reinheitsgebot brauen? Warum nicht mal Tettnanger oder Kent Golding aus England? Oder sogar Polaris oder Cascade, zwei gezüchtete Aromahopfen? Versprochen, es wird ein ganz anderer Biergeschmack! Hopfen kann nämlich für Unternoten sorgen, die trotz Reinheitsgebot ein Bier zitronig oder karamellig machen. Deutsche sind bei ausländischen Bieren hier schnell mit dem Satz „Igit, Zusätze!“ zur Hand, aber das stimmt nicht, viele englische, amerikanische, belgischen und nun langsam auch wenige deutsche (Craftbeer-) Brauereien erreichen Geschmacksvielfalt durch andere Hopfensorten.

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Hopfen macht das Bier bitter – und das will doch keiner… Warum eigentlich nicht? Die Bitterkeit eines Bieres wird in IBU (International Bitterness Units) gemessen und ein Pils könnte hier bis zu 40 IBU haben – selbst Jever liegt hier nur bei ca. 30 IBU und alle Brauereien bauen hier ab, um den Massengeschmack zu treffen. Schade eigentlich, denn der Massengeschmack sorgt dafür, dass Biere sich viel zu ähnlich schmecken. Findet ihr nicht? Ok, dann stellt einem Bitburger, einem Krombacher und einem Warsteiner ein Bitter 42 gegenüber – das ist ein Pils der Hallerndorfer Brauerei. Der Unterschied ist frappierend. Und India Pale Ale oder Stout-Biere können bis zu 60 IBU reichen, auch 90 IBU sind kein Problem. Ob man das noch trinken kann? Klar! Die Mischung macht`s – mehr Hopfen verlangt nicht selten auch nach mehr Malz (beim Stout fängt z.B. die Malzigkeit den Bittergeschmack auf und federt ihn ab, beim IPA sorgen die Fruchtnoten der verwendeten Hopfensorten dafür).

Stichwort Braustile: in Deutschland haben Pils, Kölsch, Alt, Helles und Weizen vermutlich die größte Tradition. Aber auch Märzen und Export sind typisch für deutsches Bier, werden aber kaum noch getrunken. Schade eigentlich. Und warum nicht öfter ein Ale oder Stout aus deutschen Brauereien? Und selbst natürliche, im Brauprozess selber integrierte Zusätze wie Früchte (z.B. im Kirschbier – wir reden also ausdrücklich nicht von Aromen oder später, nach dem Brauen zugegebene Zusätze) sind aus unserer Sicht mehr Bereicherung als der von vielen scheinbar prophezeite Untergang des Abendlandes. Eine Gose (mit Koriandersaat) ist eine leckere Sache! Bier darf sich ein solches Getränk dann zwar in Deutschland (Reinheitsgebot) nicht mehr nennen – aber was soll`s!

Deshalb abschließend zurück zur Ausgangsfrage: was ist ein gutes Bier? Grundsätzlich jedes. Aber Vielfalt bereichert die Bier- und Kneipenlandschaft. In Bonn dominieren z.B vor allem Sion, Krombacher und Bitburger den Kneipenmarkt. Mehr Mut zu Vielfalt bitte! Zum Beispiel so wie in Bonn von Fritz Wülfing und seinem Craftbeer Ale Mania praktiziert. Und bitte, liebe Großbrauereien, macht den Trend gerne mit, kauft vielleicht sogar die Kleinen wie im Falle Braufactum/ Bitburger, aber vereinheitlicht nicht gleich wieder!

Deshalb unser Wunsch zum Ausgehen und Biertrinken: Wir möchten uns auch deshalb für eine Kneipe entscheiden, weil dort das Bier anders ist, es zu unserer heutigen Stimmung oder vielleicht zum Essen passt. Wir wünschen uns wenigstens einige Kneipen, die diesen Weg gehen. Das sollte trotz Brauereibindung möglich sein (aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Bericht…).

Aufschlussreich ist übrigens auch dieser Bericht von ZDFInfo

9 Gedanken zu „Was ist ein gutes Bier? Ein Plädoyer für die Vielfalt

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